Rasanter Farbwechsel

Der Wollkugelschleimpilz (Comatricha nigra) macht eine rasante farbliche Entwicklung durch. Zu Beginn erstrahlt er hell und seine kleinen Zäpfchen wären theoretisch gut zu sehen, wären sie nicht so unglaublich klein. Ich entdeckte ihn zufällig, weil ich an dem Holzstapel einen anderen, größeren Pilz anschauen wollte und während ich so an den Schnittkanten kniete, hatte ich ihn im Blickfeld. Glücklicherweise konnte ich innerhalb der nächsten 8 Tage insgesamt 5 mal zu der Fundstelle gehen und die unglaubliche Farb- und Formveränderung fotografieren. Seine weißen, hellrosa Zäpfchen (ca. 1-1,5 mm groß) hatten sich innerhalb eines Tages zu einem kräftigen Orange/Ocker verändert. Am dritten Tag befürchtete ich schon, er sei dem zunehmend schlechten Wetter zum Opfer gefallen (was bei Schleimpilzes wohl oft die Entwicklung verhindert), denn er war selbst aus einem Meter Entfernung nicht mehr zu erkennen. Das lag an seiner dunkelbraunen Farbe. Die Tage danach waren regnerisch, so regnerisch, dass die Kamera in Gefahr war, dennoch konnte ich seinen zunehmenden Verfall bis zur Sporenverteilung noch dokumentieren.

Der Überblick zeigt die Tage 1, 2, 3, 5 und 8 nach Entdeckung. Danach konnte ich schon wegen des sich weiter verschlechternden Wetters nicht mehr hin (Regen und Schnee und Sturm), es hätte aber auch nicht mehr viel zu beobachten gegeben. Wie man im ersten Beitrag zum Wollkugelschleimpilz sehen konnte, war er da schon sehr am Ende. 

Der Comatricha nigra gehört zu den Myxomyceten (die sog. Echten Schleimpilze). Diese stellen die größte Anzahl an Schleimpilzen. Um es nochmal ins Gedächtnis zu rufen, wir sprechen hier von Lebewesen, einzelligen Lebewesen. Sie gehören weder zu den Pilzen, noch zu den Tieren. 

Ich finde es absolut beeindruckend, dass etwas so winzig Kleines eine solche Schönheit in sich hat, die sich dem bloßen Auge zumeist entzieht. Wie schön, dass ich hier vor meiner Haustür in den kleinen Waldstücken auf eine solche Entdeckungsreise gehen kann.

 

11 Gedanken zu “Rasanter Farbwechsel

  1. Wow, was für eine spannende Reportage und die Bilder sind wunderschön geworden (ich wiederhole mich gerne)! Toll, daß du die ganze Entwicklung festhalten konntest. 1mm? Die sind ja wirklich kaum erkennbar. Da hätte ich mit meiner Kamera schon längst klein beigeben müssen. Was für ein Glück und wie toll, daß du so gut ausgestattet bist. Die Bilder können sich locker mit denen der Profis messen. Hach ja, was für faszinierende kleine Wunder, diese Farben, dieser Glanz und zuletzt das Zerfließen! Aber bei der Größe frage ich mich wirklich, wie man die „finden“ kann, wenn man nicht gerade daneben hockt 😉 Eine superschöne Bilderserie, Glückwunsch!!!

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    • Vielen Dank! Es ist so schön, dass du dich auch so dafür begeistern kannst. Ich bin auch wirklich froh, dass ich mit meiner jetzigen Ausrüstung schon diese Fotos machen kann. Es dauert ja doch immer recht lange, bis man so viel angespart hat, dass man wieder etwas Neues ergänzen kann. Ich glaube ich habe ein Händchen für diese sehr kleinen :-), ich würde gern mal etwas leichter auffindbare Exemplare finden (haha). Ich muss schon recht dicht an die Stämme ran. Aber man hat dennoch eine echte Chance, welche zu finden. Und alle Fruchtkörper zusammen haben ja dann auch eine Größe von sogar 10 cm 🙂 Ich war gerade am Wochenende wieder unterwegs und beim allerletzten Baumstamm, den ich mir noch anschauen wollte, sah ich aus ca. 1-1,5 Meter Entfernung etwas kleines Gelbes 🙂 in einer Öffnung der Rinde. Das bestärkt dann wieder. Die Bilder kommen noch …

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