So schnell kann’s gehen

Einen Tag gehe ich beim Gasssigehen in den zugewachsenen Waldweg, der zu meiner diesjährigen Insekten-Lieblingsfundstelle führt. Auf dem Weg dorthin, direkt nachdem ich in den Wald gehe, liegt linker Hand ein kleines, recht altes Stück Totholz das immer wieder gut für Schleimpilzfunde ist. Diesmal entdeckte ich einen winzigen kleinen roten Fleck, der mich magisch anzog. Und aus der Nähe bot sich mir dann dieses Bild:

Ein kleine Ansammlung mit zwei unterschiedlichen Schleimpilzen. Diese winzig kleine Ansammlung roter Fruchtkörper konnte ich bisher nicht bestimmen. Die ganze Ansammlung maß ca. 1-1,5 cm! Das andere dürfte ein Glänzendes Fadenkeulchen (Sternonitopsis typhina) sein. Beides tolle Schleimpilz-Funde, die ich unglaublich gern die folgenden Tage begleitet hätte, um ihre Entwicklung zu dokumentieren.

Aber dann, zwei Tage später das:

Gefühlt wurde der halbe Wald mit Karacho abgeholzt und welcher Ort wurde für das große Zwischen-Holzlager gewählt, ganz genau, links und rechts des Wegs, wo auch mein schönes altes Totholz lag und auch viele spannende Insekten im und am Wegesrandgrün zu bewundern waren. Jetzt ist alles platt und tot für längere Zeit. Ein mittelgroßer Schock, erst recht da die komplettte Zuwegung und der Waldweg extrem verbreitert und plattgewalzt wurden. Es gibt jetzt Kreuzungen im Wald, wo es bisher nur Wald gab, alle Insekten am Wegesrand sind futsch, und der Wald/Waldboden/Fauna wird brauchen, um sich wieder zu erholen. Heute früh beim Gassigang sah ich dann, dass sie immer noch am Stapeln sind und die Polter noch bedeutend größer und breiter werden. Hach ja.

Sammelleidenschaft

Einige Zimmerreisen habe ich leider verschlafen, aber heute schaffe ich es am letzten Tag noch die Zimmereise zum Buchstaben S zu schreiben.

Irgendwann noch vor der Jahrtausendwende erwischte mich das Designfieber der 60er/70er Jahre und einige wenige Stücke begleiten mich bis heute. Dazu zählen die folgenden, vom Designer Cari Zalloni (1937-2012) für Steuler in Höhr-Grenzhausen entworfenen Stücke. Mir haben es besonders die Vasen und Kerzenständer mit der Markierung 226/30 (Vase groß), 225/25 (Vase klein) und 150/25(Kerzenständer) angetan.

Den Anfang machten erste Funde auf den typischen Hamburger Trödel- und Antikmärkten. Allen voran damals die Märkte in den Hamburger Messehallen. Große Hallen gefüllt mit einer unglaublichen Bandbreite an Dingen, die es schon lohnte nur anzuschauen und sich einfach an ihrer Existenz zu erfreuen.

Eine wahre Fundgrube für mich war Anfang des 21. Jahrhunderts das Stilbruch in Wandsbek, ein Tochterunternehmen der Hamburger Stadtreinigung, wo alles Brauchbare in zwei großen Hallen veräußert wurde und immer noch wird.

Was konnte man damals dort für Funde machen und zwar zu unglaublich günstigen Preisen.

Ich widme mich seit einiger Zeit der Reduktion. Bestimmte Dinge aber sind zu mir gekommen, um zu bleiben. Die Steuler Keramik zählt definitiv dazu. Vieles andere aus der Zeitperiode konnte mich nicht dauerhaft überzeugen und hat den Weg zu neuen, glücklichen Besitzern gefunden.

Zweimal besonders

Letzte Woche erregte beim Gassigang ein strahlendes weißes Flausch meine Aufmerksamkeit. Es fraß in Blickhöhe an einem Blatt und war vielleicht 3,5-4 cm lang. Ich habe keine Ahnung, um was es sich handelt und würde mich freuen, wenn jemand von euch es mir sagen kann.

Und dann gab es noch diesen winzigen Flusenschiss auf einem Blatt. Moment mal, hat sich dieser ca. 3 mm große Fleck etwa bewegt? Jawohl, es bewegte sich und zwar recht schnell als ich anfing, mich zu ihm runterzubeugen. Aufgrund seiner Größe, Struktur und plötzlichen „Geschwindigkeit“ habe ich nur unscharfe Fotos zustande gebracht. Man muss sehr genau hinschauen, aber dann schält sich langsam ein Vorne mit Kopf und Augen heraus.

Es handelt sich um einen Ameisenlöwen! Ein sehr kleiner Löwe, in der Tat. Die Bezeichnung kommt daher, dass die Larven sich nicht nur von Blattläusen ernähren, sondern sich deren ausgesogene Hüllen auf ihrem Rücken verfangen und haften bleiben, was zu ihrem sehr ungewöhnlichem Aussehen und einer sehr guten Tarnung führt. Passend hierzu kann ich endlich mein Foto von der Gemeinen Florfliege (Chrysoperla carnea) zeigen, welches ich vor längerer Zeit auf dem Balkon geschossen habe.

Ah, Exuvien

Zu Beginn war ich noch recht ratlos, um was es sich genau handelt, wenn sich der Gedanke an Überreste von Wanzen auch aufdrängte. Dann entdeckte ich noch eine und wieder eine und kam über Umwege zu ihrer richtigen Bezeichnung: Exuvie.

Exuvie ist ein neues Wort für mich, welches die abgestreifte Haut nach der Häutung bezeichnet. Es ist immer wieder erstaunlich was für Funde man in der Natur machen kann, wenn man genauer hinschaut. Gestern sah ich zuerst die noch sehr platte Larve einer Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) und wunderte mich ein wenig. Ein Blatt darunter sah ich dann die Exuvie. Ich sehe einen Zusammenhang zwischen diesen beiden kann es aber natürlich nicht mit Gewissheit sagen. Leider scheiterte der Versuch, die Exuvie mitzunehmen, da ich gegen ein anderes Blatt kam und sie ins Gras fiel.

Die beiden folgenden Funde machte ich im Juli und sie haben mich so richtig auf den Geschmack gebracht. Im Wald und an den Wegesränder existiert ja seit Wochen ein reger Wanzen-Kindergarten, überwiegend natürlich Grüne Stinkwanzen Larven, aber auch welche von Schildwanzen und Glasflügelwanzen. Deren Exuvien sind aber wirklich selten zu entdecken. Die Überreste sind recht klein und Regen und Wind lassen sie verschwinden.

Da wir schon bei solch verrückten Dingen sind gibt es noch ein Fund aus dem Garten vom letzten Jahr. Zu viele Beine sage ich nur. Ich sehe oben eine Wanzenlarve mit gepunkteten Beinen, werde aber nicht recht schlau aus dem Bild. Es sei denn sie ist auf/in einer Exuvie einer größeren Wanze (?). Allemal spannend.