Blüten in Nachbars Garten

Dieses Jahr kommen die Gartenbesuche zu kurz. Entweder ist es zu heiss, zu nass oder anderes steht im Weg. Vor ein paar Wochen aber waren wir zum ersten Mal auf Stippvisite im Garten einer lieben Nachbarin am Dorfrand. Es ist dort sehr malerisch und wir fühlten uns wie im Kurzurlaub: Leicht hügeliges Land, Kälber grasen direkt am Haus und eine windschiefe alte Kate gibt es auch (noch). Man vergisst, dass man nur ein paar Hundert Meter dorthin gegangen ist. Wirklich unglaublich (schön). Jetzt nach dem vielen Regen kommen diese frohen Farben ganz passend.

Feine Naturkunst

Ich bin mal wieder ein kleines bisschen verliebt in eine unscheinbare Pflanze. Besser gesagt in ihre Samenstände, die pure Naturkunst sind. Für dieses Glück musste ich im verwilderten Garten nur in etwas 30 cm Höhe genau hinschauen. Objekt meiner Begierde war in den letzten Tagen das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum).

Das Kleinblütige Weidenröschen ist eine sehr schmale, bis zu 80 cm hohe, recht unscheinbare Pflanze, die oft als Unkraut beim Austrieb herausgerissen wird. Deshalb habe wohl auch ich das Weidenröschen bisher nicht in Blüte gesehen. So einiges ist dieses Jahr lehrreich, wo der Garten mal nicht regelmäßig und ausreichend gepflegt wurde. Glücklicherweise ist dies nicht die einzige Pflanze, die mich mit ihren Samen in diesem Jahr überrascht. Davon bald mehr an dieser Stelle. Das Kleinblütige Weidenröschen gilt übrigens bei manch einem als Heilmittel für Prostata und Blasenleiden und ist deshalb als Tee und homöopathische Kapsel zu erhalten.

Neues aus dem wilden Garten

Der Garten ist tatsächlich sehr wild aktuell, das Gras steht einem bis zu den Knien, aber in den Nutzbeeten und neben ihnen finden sich schöne Blüten. Das erste Mal blühen Petersilie (Petroselinum crispum) und Oregano (Origanum vulgare). Die Blüten von Schnittlauch (Allium schoenoprasum) und Winterheckzwiebel (Allium fistulosum), die so schön intensiv nach Knoblauch riecht, sind jedes Frühjahr eine Augenweide für mich. Das erste Mal aufgefallen ist mir die faszinierende Entwicklung der Lupinenblüten und immer wieder beglückt bin ich von der Berg-Flockenblume (Centaurea montana), die sich zum Glück sehr wohl fühlt im Garten und an vielen Stellen wiederkommt.

Turnen mit der roten Samtmilbe

Die rote Samtmilbe (Trombidium holosericeum) suchte ich gestern ganz bewusst im Garten. Es musste an einigen Stellen, die jetzt aufgrund geänderter Gartennutzung nicht mehr genutzt werden, das Gartenvlies entfernt werden. Da hatte ich natürlich die Kamera samt Makro griffbereit.

Die rote Samtmilbe erkennt man an den breiten Schultern und die sieht man hier auf einigen Bildern recht gut. Sie lebt von Bodenorganismen und Insektenlarven. Seitdem ich letztes Jahr die ersten Exemplare auf dem Bauch liegend gesichtet habe, achte ich jetzt besonders auf sie. Ich finde sie in der Makrobetrachtung sehr faszinierend, wenn man bedenkt, dass sie nur zwischen 1-4 mm groß sind und selbst auf dem Bauch liegend, bei bewusstem Absuchen des Bodens nur kleinste rote Punkte zu erkennen sind.

Hm, wohl etwas zu groß für mich

… dachte die gelbe Wiesenameise über die Kugelassel.