Ein Puparium

An Schwebfliegen dachte ich beim gestrigen naturfund mit Sicherheit nicht.

Dieses Jahr entdecke ich so einiges, was mir in den letzten Jahren überhaupt nicht aufgefallen wäre. Und wenn es mir aufgefallen wäre, dann hätte ich ihm keine besondere Bedeutung zugemessen. Jetzt vermute ich hinter Formabweichungen in der Natur zumeist etwas. Erstmal aufnehmen heißt deshalb die Devise und bei besonders abstrakten Dingen bei der Bildersuche auf einen Treffer hoffen, der nicht nur im asiatischen Raum liegt.

So lernte ich, dass es die Puppe einer Schwebfliege war, aller Wahrscheinlichkeit nach die Puppe einer Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus), die gestern von mir entdeckt wurde.

Die zukünftige Hainschwebfliege wird als winziges Ei in der Nähe von Blattläusen abgelegt. Hat sich die Larve entwickelt frisst diese bis zu 100 Blattläusen am Tag, was sie zu einer gern gesehenen Hilfe im Garten und anderswo macht. Das geht zwei Wochen lang so, dann häutet sich die Larve und baut aus ihrer Haut ein tropfenförmiges Puparium (was für ein Wort!) und wird darin zur Puppe. Genau das sichtete ich heute früh am Wegesrand. Allerdings nicht im Vorbeigehen, ich habe schon nach interessanten Dingen gesucht.

Nach nur wenigen Tagen schlüpft die fertige Hainschwebfliege, von der ich in den letzten Jahren das ein oder andere Exemplar vor der Kamera hatte.

Und so wird aus einem nur kurzen Ausflug in die Insektenwelt (es fing leider nach kurzer Zeit ordentlich zu regnen an) ein überraschend lernreicher Spätnachmittag.

little batman

Vom Fahrrad aus sah ich little batman am Wegesrand. Er ist tatsächlich recht klein und fiel mir auf, da ich langsam fuhr, um die nächste Insekten-Fotosession-Ecke ausfindig zu machen und er in seiner schwarzen Pracht so aus dem grünen Pflanzenmeer herausstach.

Es handelt sich um einen Rotkragen-Flechtenbär (Atolmis rubricollis), mein Erster. Er ernährt sich bevorzugt von Baumflechten, daher wohl der Name, hat eine Flügelspannweite von 25-36 mm, fliegt von Mai bis Juni und lebt gern an Waldrändern, wo ich ihn heute entdeckte.

Da es heute leider wieder ein wenig zu windig für Insektenfotografie war ist das zweite Foto nicht scharf, aber dennoch interessant, da es seine Batman-style Flügel gut zur Geltung bringt.

Gefährliche Tarnung

Die Schließmundschnecken (Clausiliidae) auf der Bahntrasse waren extrem gut getarnt. Sie waren aus der normalen Sichthöhe kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Ein Zufall, natürlich zusammenhängend mit dem Hund, ließ mich am Rande der Autobahnunterführung genauer auf das Sand/Kiesgemisch runterschauen und eine Ansammlung von Gemeinen und Glatten Schließmundschnecken (Alinda biplicata/Cochlodina laminata) erkennen, die ich bis vor ein paar Jahren noch gar nicht hier erwartet hätte. Nachdem ich sie entdeckt hatte ging ich die nächsten Meter in Zeitlupe, da sie wirklich gut über den Weg verteilt waren.

Sie haben eine Länge zwischen 16-18 mm, leben in schattigen und feuchten Lebensräumen, hier in einem recht dunklen Waldstück am Rande der Autobahn und ernährt sich u.a. von Algen, Pilzen und welken oder faulenden Pflanzenresten. Ich mag die Strukturen ihres Gehäuses. Es gibt in Deutschland 27 Schließmundschneckenarten, deren Unterscheidung im Einzelfall schwierig sein soll. Meine Zuordnung muss mithin nicht zutreffend sein.

Eier an Gras

Im Vorbeigehen entdeckte ich einen hellgrünen Fleck auf diesem Süßgras (denke ich). Es ist verwunderlich, was ein einigermaßen trainierter Blick wahrnimmt. Es brauchte ein paar Sekunden und ein paar Schritte, aber dann ging ich zurück und es entpuppte sich als Insekteneier.

Insekteneier auf Gras

Winzig klein war es nur deshalb zu entdecken, da das Gras sich zur Seite auf den Gehweg neigte. Ich nahm es vorsichtig in die Hand und legte es auf meinen Fahrradsattel. Das Fahrrad hatte ich mir schnell geschnappt, um mit dem Makro nochmal bessere Fotos von den Eiern zu machen.