Des Rätsels Lösung

Seit Mai 2020 habe ich immer wieder versucht, das folgende Insekt zu bestimmen. Es war nur wenige mm groß und hatte ein vages ameisenähnliches Aussehen. Ich entdeckte es zufällig, am Wegesrand im Gras hockend unter einer kleinen weißen Blüte.

Lange Zeit hatte ich kein Glück. Die vertiefende Auseinandersetzung mit Wanzen brachte mir zwar die Erkenntnis, dass es ameisenähnliche Larven gibt, aber nicht nur die Bildersuche im Netz, auch das neue Wanzenbuch mit immerhin 500 Wanzen (allerdings nur wenige Larvenfotos), brachte mich nicht weiter.

Und dann heute der Glückstreffer beim Wanzenbestimmen im Netz: es ist tatsächlich die Larve einer Wanze. Juchuh!

Bei meinem Fund aus dem letzten Jahr handelt sich um eine sehr junge Larve einer Braunen Schmuckwanze (Closterotomus fulvomaculatus). Hier noch ein etwas genauerer Blick und ein adultes Tier, welches mir auch im vergangenen Jahr vor die Kamera lief.

Ich trage meinen Sack

Ein unglaublich faszinierendes Tier durfte ich beobachten. Es wäre mir nicht aufgefallen, wenn Almuth von naturaufdembalkon nicht just einen Tag vorher über einen seiner Artgenossen einen sehr lesenswerten Beitrag geschrieben hätte.

Es handelt sich um die Raupe eines sogenannten Echten Sackträgers (Psychidae). Der Name verrät schon so einiges oder? Und passt schlicht zu den Bildern. Diese kleine Raupe fällt einem normalerweise nicht auf. Sie ist (inklusive ihres Sacks aus kleinen Pflanzenteilen) gerade mal 1 cm groß! So würde man bei ihrem Anblick schlicht vermuten, dass es sich um pflanzliches Kleinstgerümpel auf einem Blatt handeln würde. Eben auch, wenn es sich bewegt. Unbedingt auf das erste Bild klicken, um es in Vergrößerung zu sehen.

Aber bei der wahrgenommenen Bewegung ging bei mir sofort eine rote Warnlampe im Kopf an und ich dachte, wenn das mal nicht sowas wie bei Almuth ist. Und dann war es das! Dann kam noch das Glück hinzu, dass es zwar relativ deutlich windete an dem Tag, aber ich ganz in Ruhe hunderte Bilder (nein, nicht ganz) schießen konnte während die Sackträgermotte sich ein paar cm am Blatt längs bewegte. Eine feine, kleine Serie ist so zustande gekommen.

Ein Blick von weiter weg zeigt das erste der beiden folgenden Fotos. Das Zweite zeigt einen am Blatt befestigten Sack, den man normalerweise übersieht (diesen nahm ich an einem anderen Tag am selben Fundort auf). Dabei ist es selbst für mich gar nicht so einfach, immer im Kopf zu behalten, dass wir über gerade mal 1 cm reden.

Bei den Echten Sackträgern (Psychidae) handelt es sich um kleine bis mittelgroße Falter, bei denen die Weibchen oft keine Flügel aufweisen. Ihre Raupen leben in und immerzu mit ihrem aus Pflanzenteilen gesponnenen Sack. Auch alle Häutungen und Verpuppungen finden in diesem Sack statt. Nach dem Schlüpfen bleiben die flügellosen Weibchen in oder auf dem Sack sitzen und warten auf die Männchen. Die Lebensspanne dieser Insekten ist kurz. Viele Männchen haben nur wenige Stunden, Weibchen wenige Tage.

Unglaublich oder, was da ausserhalb unseres normalen Sichtfeldes so vor sich geht. Eine recht ansehnliche Bildersammlung zu unterschiedlichen Echten Sackträgern und ihren unterschiedlichen Säcken habe ich hier gefunden. Dieser Link dient auch mir zur Erinnerung. Die Dame hat in vielen Jahren eine ordentliche Fotosammlung nebst Bestimmung zu vielen Insekten zusammengetragen und war mir bisher nicht bekannt.