Von verkrusteten Kamelen und käfertragenden Ameisen

Es sieht nicht gut aus für die Kamelhalsfliege (Raphidiidae), die ich beim morgendlichen Gassigang an einem Grashalm am Wegesrand hängen sah. Ich wunderte mich, dass sie sehr lange still hielt und sah dann von der rechten Seite, dass sie von einer weißen Kruste überzogen ist. Es sieht bei genauer Betrachtung aus als würde eine Substanz an ihr haften, die getrocknet und hart geworden ist. Es ist die zweite Kamelhalsfliege die ich in meinem Leben zu Gesicht bekomme. Hier geht es zu meiner ersten Begegnung. Es handelt sich wieder um ein Weibchen, man kann den Legebohrer sehr gut erkennen.

Es sieht nicht nach einem Pilz aus, z.B. den Fliegentöter, den ich vor zwei Jahren bestimmen konnte und auch in diesem Jahr schon öfters sah. Zum Vergleich eine vom Fliegentöter befallene Tanzfliege, die ich zu Beginn des Monats aufnahm. Wer mehr zu diesem Pilz wissen will, der Fliegen befällt, von ihnen lebt und sie tötet, der kann in meinem letztjährigen Beitrag die ganze gruselige Wahrheit erfahren.

Heute am frühen Abend kurz vorm Schnell-Grillen sah ich auf dem Balkon aus dem Augenwinkel diese Ameise mit fetter Beute. Der Weg führte durch mehrere „tiefe“ Fugen. Einen Teil ihres Wegs konnte ich mit der schnell herausgeholten Kamera dokumentieren.

Ein Puparium

An Schwebfliegen dachte ich beim gestrigen naturfund mit Sicherheit nicht.

Dieses Jahr entdecke ich so einiges, was mir in den letzten Jahren überhaupt nicht aufgefallen wäre. Und wenn es mir aufgefallen wäre, dann hätte ich ihm keine besondere Bedeutung zugemessen. Jetzt vermute ich hinter Formabweichungen in der Natur zumeist etwas. Erstmal aufnehmen heißt deshalb die Devise und bei besonders abstrakten Dingen bei der Bildersuche auf einen Treffer hoffen, der nicht nur im asiatischen Raum liegt.

So lernte ich, dass es die Puppe einer Schwebfliege war, aller Wahrscheinlichkeit nach die Puppe einer Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus), die gestern von mir entdeckt wurde.

Die zukünftige Hainschwebfliege wird als winziges Ei in der Nähe von Blattläusen abgelegt. Hat sich die Larve entwickelt frisst diese bis zu 100 Blattläusen am Tag, was sie zu einer gern gesehenen Hilfe im Garten und anderswo macht. Das geht zwei Wochen lang so, dann häutet sich die Larve und baut aus ihrer Haut ein tropfenförmiges Puparium (was für ein Wort!) und wird darin zur Puppe. Genau das sichtete ich heute früh am Wegesrand. Allerdings nicht im Vorbeigehen, ich habe schon nach interessanten Dingen gesucht.

Nach nur wenigen Tagen schlüpft die fertige Hainschwebfliege, von der ich in den letzten Jahren das ein oder andere Exemplar vor der Kamera hatte.

Und so wird aus einem nur kurzen Ausflug in die Insektenwelt (es fing leider nach kurzer Zeit ordentlich zu regnen an) ein überraschend lernreicher Spätnachmittag.

Cocooning

Wunderbare, überraschende Natur!

Gerade gestern hat sie mir wieder ihre Einzigartigkeit vor Augen geführt. Ich war mit dem Rad zu einer ca. einstündigen kleinen Insekten-Fototour in die nahe Umgebung aufgebrochen. Am Ende ging ich an die Stelle zwischen zwei Feldern, an der ich im vergangenen Jahr am Ampfer die witzigen kleinen Larven der Großen Randwanze aufnahm.

Diesmal entdeckte ich etwas anderes am Ampfer. Etwas Filigranes, wovon ich seit ein paar Jahren ein Foto besitze, dessen Abbildung mir bis jetzt allerdings ein Rätsel blieb. Mit den jetzigen Bildern gelang mir dank einer Bildersuche die Bestimmung: Es handelt sich um Larven des Ampfer-Kokonrüsslers (Hypera rumicis)!

Die Weibchen des Ampfer-Kokonrüsslers legen ihre Eier an unterschiedlichen Ampferarten ab, die schlüpfenden Larven fressen an den Blättern und fertigen dann zur Verpuppung diese gitterartigen, durchsichtigen Kokons.

Ein genauerer Blick auf eins meiner Bilder zeigte dann noch eine Überraschung. Eine Larve hebt den Kopf und zieht von oben einen Faden nach unten. Man sieht dies auf dem zweiten der jetzt folgenden Bilder. Wie ich das mag, diese Überraschungen auf so einem kleinen Insekten-Fototrip in die nahe Umgebung.

Im frühen Schlaf ein Blubbern

Heute früh ging ich aus gutem Grund direkt nach dem zweiten Kaffee einmal ums Haus rum, da ich etwas aufnehmen wollte. Ein spontaner Zaungast kam dann allerdings zuerst aufs Foto:

Der wahre Grund meines Aufbruchs versteckt sich wenige cm neben unserem Schlafzimmerfenster. Dort hat eine Mehlschwalbe (Delichon urbicum) ein neues Nest gebaut und der Nachwuchs dringt morgens mit seinem gurgelnden Blubbern immer in meine Tiefschlafphase. Wie Brabbeln unter Wasser hört sich das an. Es nisten hier am gesamten Gebäudekomplex immer einige Schwalben, aber noch nie so nah dran. Da unser Anblick direkt am Fenster jetzt für Stress sorgt, bleibt das Plissee weiter unten. Die Erneuerung des beim letzten Sturm zerrissenen Fliegengitters muss so (zum Glück) auch noch etwas warten.