Ah, Exuvien

Zu Beginn war ich noch recht ratlos, um was es sich genau handelt, wenn sich der Gedanke an Überreste von Wanzen auch aufdrängte. Dann entdeckte ich noch eine und wieder eine und kam über Umwege zu ihrer richtigen Bezeichnung: Exuvie.

Exuvie ist ein neues Wort für mich, welches die abgestreifte Haut nach der Häutung bezeichnet. Es ist immer wieder erstaunlich was für Funde man in der Natur machen kann, wenn man genauer hinschaut. Gestern sah ich zuerst die noch sehr platte Larve einer Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) und wunderte mich ein wenig. Ein Blatt darunter sah ich dann die Exuvie. Ich sehe einen Zusammenhang zwischen diesen beiden kann es aber natürlich nicht mit Gewissheit sagen. Leider scheiterte der Versuch, die Exuvie mitzunehmen, da ich gegen ein anderes Blatt kam und sie ins Gras fiel.

Die beiden folgenden Funde machte ich im Juli und sie haben mich so richtig auf den Geschmack gebracht. Im Wald und an den Wegesränder existiert ja seit Wochen ein reger Wanzen-Kindergarten, überwiegend natürlich Grüne Stinkwanzen Larven, aber auch welche von Schildwanzen und Glasflügelwanzen. Deren Exuvien sind aber wirklich selten zu entdecken. Die Überreste sind recht klein und Regen und Wind lassen sie verschwinden.

Da wir schon bei solch verrückten Dingen sind gibt es noch ein Fund aus dem Garten vom letzten Jahr. Zu viele Beine sage ich nur. Ich sehe oben eine Wanzenlarve mit gepunkteten Beinen, werde aber nicht recht schlau aus dem Bild. Es sei denn sie ist auf/in einer Exuvie einer größeren Wanze (?). Allemal spannend.

ganz schön schmuck

Die Eichen-Schmuckwanze (Rhabdomiris striatellus) ist sowohl als Larve als auch als Imago ein absoluter Hingucker. Wie der Name schon andeutet hat sie eine enge Bindung an Eichen. So legt das Weibchen im Frühling ihre Eier in die weiblichen Blütenknospen. Die Larven saugen an Blüten und Pollen, die Imagines leben in den wenigen Wochen ihrer Existenz räuberisch überwiegend von Blattläusen und Schmetterlingsraupen. Diese Art überwintert als Ei.

Die ersten Imagines sah ich im Mai 2020, diese Larve entdeckte ich in diesem Jahr am 29. Mai.

Besonders interessant ist, dass man die Eichen-Schmuckwanze in einer hellen und einer dunklen Farbgebung sichten kann. Sie erreicht eine Größe von 7-8,5 mm. Obwohl wir hier sehr viele Eichen haben, gerade die zum Radweg umgebaute Bahntrasse ist über weite Strecken von Eichen gesäumt, entdeckte ich sie bisher nur am Wegesrand im Wald (die Larve) oder am Waldrand (alle Imagines). Und es ist nicht so als hielte ich meine Augen nicht offen.

Heteroptera – jung und alt

Mit der Zimtwanze (Corizus hyoscyami) beginne ich eine kleine Reihe über Wanzen, deren Imagines und Larven ich fotografiert habe.

Die Zimtwanze gehört zu den Glasflügelwanzen (Rhopalidae). Sie ist schon aufgrund ihrer 8,5 bis 10,3 mm Körpergröße gut sichtbar, zusätzlich hilft einem ihre intensive rote und schwarze Zeichnung dabei, sie in den Blüten zu erkennen. Die Imagines sind also nicht unbedingt zu übersehen, anders verhält es sich mit ihren Larven. Die sind bedeutend unscheinbarer und ich konnte bisher nur ein Foto von ihnen ergattern.

Ihr Name soll vom leichten Zimtgeruch herrühren, der von ihr ausgeht. Ich kann das bisher nicht bestätigen. Das Weibchen legt beginnend ab spätem Frühjahr die Eier an der Wirtspflanze ab, die neue Generation kann dann im Hochsommer beobachtet werden und überwintert später in der Bodenstreu. Die Zimtwanze ist behaart, man kann das auf dem ein oder anderen Foto leicht erkennen. Sie ernährt sich von Pflanzensäften, saugt vorwiegend an Früchten und Samen von Korbblütlern und Königskerzen.

Neben ihren leichten Glubschaugen und der schönen Zeichnung ist die strahlende Unterseite der Zimtwanze für mich immer wieder ein schöner Anblick. Wie gut, dass ich ihnen recht zuverlässig im Garten einer Nachbarin begegnen kann.

Überraschung im Ampfer

Die Natur weiß ja sicher was sie tut, aber was da zur Zeit an kleinen Lebewesen umherläuft, das ist erstaunlich. Eine neue Entdeckung aus der wunderbaren Wanzenwelt, ganz genau aus der Kinderabteilung, die ja gerade ihre Hochphase hat: sehr junge Larven der Großen Randwanze (Coreus marginatus), bei uns gemeinhin auch als Lederwanze bekannt. In diesem Zustand sind sie wirklich winzig, nur ganz paar mm groß.

Nach einem ersten Gruseleffekt beim Anblick der Antennen durch das Makro war die Freude groß, diese besondere Wanzenlarve im Ampfer entdeckt zu haben. Da sie nicht nur winzig, sondern auch sehr schnell und schreckhaft waren, brauchte es viel Geduld beim Suchen, Beobachten und Fotografieren. Ich bin an drei Tagen immer mal wieder zu den paar Ampferpflanzen am Feldrand hingeradelt und hockte und wartete, aber es hat sich definitiv gelohnt.

Von diesem freakigen Nachwuchs der bei uns recht häufigen Lederwanze bin ich absolut entzückt. Sie lebt und entwickelt sich an Ampfer, Rhabarber und anderen Knöterichgewächsen.

Ergänzend zeige ich zwei Bilder der Imagines aus dem Garten. Sie sind mit ihren Größe von bis zu 15 mm gut zu entdecken und oftmals sehr entspannt. Die Eiablage findet im Laufe des Frühjahrs an den unteren Blättern der o.g. Pflanzen statt, die Larven schlüpfen bis in den Hochsommer. Ihren Namen verdanken sie der Tatsache, dass ihre Färbung und Struktur Leder ähnelt. Was man auf den folgenden Bildern recht gut erkennen kann.

Des Rätsels Lösung

Seit Mai 2020 habe ich immer wieder versucht, das folgende Insekt zu bestimmen. Es war nur wenige mm groß und hatte ein vages ameisenähnliches Aussehen. Ich entdeckte es zufällig, am Wegesrand im Gras hockend unter einer kleinen weißen Blüte.

Lange Zeit hatte ich kein Glück. Die vertiefende Auseinandersetzung mit Wanzen brachte mir zwar die Erkenntnis, dass es ameisenähnliche Larven gibt, aber nicht nur die Bildersuche im Netz, auch das neue Wanzenbuch mit immerhin 500 Wanzen (allerdings nur wenige Larvenfotos), brachte mich nicht weiter.

Und dann heute der Glückstreffer beim Wanzenbestimmen im Netz: es ist tatsächlich die Larve einer Wanze. Juchuh!

Bei meinem Fund aus dem letzten Jahr handelt sich um eine sehr junge Larve einer Braunen Schmuckwanze (Closterotomus fulvomaculatus). Hier noch ein etwas genauerer Blick und ein adultes Tier, welches mir auch im vergangenen Jahr vor die Kamera lief.