Von Hörnlingen und Keulen

Noch einmal Pilze. Anfang Juli im dunklen Wald stehe ich vor lauter Langstieligen Ahorn-Holzkeulen (Xylaria longipes). Sie sind überall, aber sie zu entdecken ist gar nicht so einfach. Der Waldboden ist recht dunkel, das Totholz ist dunkel, meine Augen suchen Besonderheiten und Myxomyceten und dann fallen sie mir plötzlich auf. Erst nur auf dem einen Stamm, dann immer mehr. Sie sind extrem gut getarnt und ich freue mich, denn es sind die ersten Exemplare, die ich sehe.

Die Klebrigen Hörnlinge sieht man natürlich sehr gut, ihre fantastische Farbe lenkt den Blick auf sie. Gestern am 16er Weg hatte ich wieder Glück. Hängt bestimmt mit dem sehr feuchten Wetter zusammen, der Waldweg ist so matschig, dass man an einigen Stellen sehr gut aufpassen muss. Der Hund hat seinen Spaß und Frauchen auch, denn es gibt einiges an Pilzen und Schleimpilzen zu entdecken. Heute gibt es erstmal die neuen Prachtexemplare vom Klebrigen Hörnling (Calocera viscosa), auch Ziegenbart genannt, zu sehen.

Dieses Jahr fällt es mir so richtig auf, wieviele Pilze das ganze Jahr über aus dem Boden oder aus dem Totholz schießen. Vielleicht ist es auch ein gutes Jahr für „Sommer“-Pilze, so wie für Schachtelhalm, der überall aus dem Boden schießt, stellenweise den ganzen Boden bedeckt.

Gras im Mantel

Was ist das bloß? Das fragte ich mich lange Zeit in diesem Sommer, nachdem mir immer mehr von diesen weiß ummantelten Grashalmen am Wegesrand aufgefallen waren. Ich vermutete zunächst etwas aus dem Insektenbereich, wie könnte es anders sein. Aber egal mit welchen Wörtern ich suchte, nichts Passendes erschien. Dann plötzlich heute früh ein passendes Bild, nachdem ich mal wieder weiß ummantelter Grashalm suchte.

Gras-Kernpilz (Epichloe typhina) ist ein Pilz aus der Gruppe der Schlauchpilze (Ascomycota), der vor allem auf Gewöhnlichem Knäuelgras vorkommt und dessen Halme mit einer weißlichen Schicht von bis zu 5 cm Länge umzieht. Dort bilden sich dann mit der Zeit hellgelbe Fruchtkörper, gut zu sehen auf zwei der Fotos. Der Pilz ist für Weidevieh und Insekten giftig. Ich kann nicht sagen, ob es ein Zeichen seiner diesjährigen Häufung ist, dass ich ihn so oft sah oder es meinem geschulteren Blick zu verdanken ist.

Der Fliegentöter

Letztes Jahr berichtete ich in einem Beitrag bereits über die grausame Entdeckung eines fliegenbefallenen Pilzes, den Fliegentöter (Entomophthora muscae). Betroffene Fliegen weisen zunächst einen aufgedunsenen Hinterleib auf, später dann sehen sie aus wie von einer zuckrigen Schicht umgeben oder vom Schimmel befallen. Dann sind die Fruchtkörper aus dem Körper gekommen.

In den vergangenen 10 Tagen habe ich einige kleinere, intensive Insekten-Fotosafaris gemacht und bin des öfteren auf diese exponierten Fliegen getroffen, die von den Fruchtkörpern des Fliegentöters ummantelt waren. Aber ich habe auch eine Fliege entdeckt, bei der die Sporen bereits verteilt waren. Zunächst aber die Fruchtkörper des Fliegentöters:

Mit dem Fliegentöter ist das so eine unangenehme Sache. Der Pilz ernährt sich von der Fliege und befällt nach und nach ihre Organe. Irgendwann übernimmt er dann ihr Nervensystem und kann die Fliege so zu einem hoch gelegenen Fleck fliegen lassen, wo er sie an die pflanzliche Unterlage klebt. Dort will er hin, damit sich seine Sporen beim Aufplatzen möglichst großflächig verteilen können.

Nach einem weiteren Exemplar sieht man gleich auf dem zweiten und dritten Bild die Fliege nach der Sporenverteilung. So schließt sich mal wieder ein Kreis. Es hat sowohl etwas Faszinierendes als auch etwas Ab/-Erschreckendes, wenn ich diese Fliegen entdecke. Es ist bestimmt nicht für jedermann so spannend, aber es ist allemal ein interessanter Einblick in diese kleine Welt.

Gelbes und Schwarzes

Immer wieder bleibt nach Stürmen mein Blick an dem satten, strahlenden Gelb der Goldgelben Zitterlinge (Tremella mesenterica) hängen, die mit kleinen oder größeren Ästen von den Bäumen geweht wurden und jetzt links und rechts des Wegs am Boden liegen. Zumeist tiefer im Wald entdecke ich auf Totholz den Klebrigen Hörnling (Calocera viscosa). Er neigt farblich auch gern zum kräftigen Orange. Passend zum Thema gibt es hier natürlich ein schönes gelbes Exemplar. 

Erst seit kurzem nehme ich in den Abgestutzten, bzw. stoppeligen Drüsling (Exidia truncata) aus der schwarzen Pilzecke bewusst wahr. Es gibt ihn nicht nur sehr häufig, er weist auch eine große Formenvielfalt auf. Auch ihn findet man als „Sturmopfer“ links und rechts des Wegs, allerdings muss man ein wacheres Auge haben als bei den strahlenden gelben Farbklecksen der Goldgelben Zitterlinge oder der Riesen-Gallertträne (Dacrymyces chrysospermus).

Kleine Myxomyceten Vielfalt

Am 31.12.2018 fotografierte ich die Weiße Lohblüte, welche auf dem ersten Bild zu sehen ist. Mein allererster dokumentierter Myxomyceten (Schleimpilz) Fund. Natürlich hatte ich damals keine Ahnung, um was es sich handelt. Eigebtlich findet man die Lohblüte eher im Sommer, also in den warmen Monaten. Vielleicht lag es am relativ milden Dezember. Die Bilder von der Gelben Lohblüte datieren tatsächlich aus Sommermonaten und ich freue mich schon darauf, in 2021 zum ersten Mal im Sommer auf Pilzsuche zu gehen. Weitere Bestimmungsversuche in der jeweiligen Bildbeschreibung.