balkon minis – das große lauschen

Zwei Wanzen besuchten uns in den letzten 2 Wochen auf dem Balkon. Die erste, eine grüne Stinkwanze, hing außen an der Balkonumrandung und verdankt ihre Entdeckung nur der Rettung einer Spinne.

Die zweite Wanze, wohl eine marmorierte Baumwanze, steckte zwischen Balkontür und Fliegengittertür fest, wollte auch zunächst so gar nicht in die Freiheit und machte eine längere Verschnaufpause an der Holzverkleidung der Fliegengittertür. Also musste zu ihrem Schutz ein Hocker zwischen Tür und Fenster geklemmt werden und dann hatte ich genug Zeit, mit der Kamera auf Tuchfühlung zu gehen. So ein cooles Foto hatte ich bisher noch von keiner Wanze bekommen.

Übrigens wieder so ein Bild, wo ich einen kleinen Schreck beim Blick durch die Kamera bekam. Man stelle sich das Tier in der gezeigten Größe vor 🙂 In hochauflösend ist das Bild der Wahnsinn. Die Wanze sieht aus wie ein Fossil aus früherer Zeit.

Und tatsächlich belegen Bernsteinfunde aus der Kreidezeit (!) das Vorhandensein von Wanzen. Irre!

Die nächtlichen Tränen des Zierkohls

Ein schönes morgendliches Phänomen auf dem Balkon: Die gesammelten nächtlichen Tränen des Zierkohls.

Nachts sammelt sich dort Feuchtigkeit und dieser große Tropfen in der Mitte der Blätter bleibt dort wundersam für viele Stunden in den Tag hinein erhalten. Natürlich bewirken dies auch Regentropfen, aber an einem trockenen Morgen ohne jeglichen Regen fiel es mir das erste Mal auf. Eine sehr schöne Überraschung auf dem herbstlichen Balkon und so hat es sich doppelt gelohnt, endlich mal einen Zierkohl zu kaufen. Denn er ist natürlich auch so schon sehr schön anzusehen und passt ganz wunderbar in die herbstlich bepflanzte Ecke des Balkons. Zum Glück verträgt er deutliche Minustemperaturen und die überraschenden Frostnächte der vergangenen Tage konnten ihm nichts anhaben.

Gewagte Kombi

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) sind ja in vielerlei Hinsicht interessant. Die Früchte sehen entzückend aus, der Strauch trägt einen besonderen deutschen Namen und dann kommt es zur Zeit der Fruchtöffnung zu einer gewagten Farbkombi. Aus der rosa Frucht kommt ein oranger Kern!

Es war tatsächlich auch auf der Naturführung durch meine eigene Umgebung, die mich auf diesen Strauch aufmerksam gemacht hat. Beim nächsten Vorbeigehen achtete ich dann auf ihn. Es war Herbst, die Pfaffenhütchenfrüchte waren sich gerade am öffnen und der orange Kern kam zum Vorschein. Zum Innehalten!

Das Pfaffenhütchen trägt auch noch den Namen Spindelstrauch. Sein gelbes Holz ist nämlich besonders zäh und wurde früher zur Herstellung von Schuhnägeln (!), Stricknadeln und eben auch Spindeln verwendet.

Der deutsche Name Pfaffenhütchen rührt daher, dass die Früchte einem Birett ähneln, der christlich geistlichen Kopfbedeckung. Farblich betrachtet ähneln sie der Kopfbedeckung der Bischöfe, denn diese sind violett.

Was für eine Farbe!

Ich entdecke sie jetzt ja häufiger, die Korallen. Sie verstecken sich ganz gut im Unterholz, aber es ist wie immer, wenn man sie erstmal wahrgenommen hat, dann sieht man sie auch öfter. Dieses Exemplar, welches ich bei einem gemeinsamen Waldspaziergang am vergangenen Wochenende entdeckt habe, ist bisher absolut einmalig hier in der Umgebung.

Rechts am Wegesrand auf einem kleinen Baumstumpf wachsend, machte mich nur diese tolle, kräftige, orange Farbgebung auf sie aufmerksam. Und zum Glück hatte ich die richtige Kamera dabei, um diese Farbe so real wiedergeben zu können.

Es handelt sich wohl um die Goldgelbe Koralle (ramaria aurea), auch Ziegenbart (!?) genannt. Und wo wir wieder bei wundersamen Wörtern sind, dieser Pilz gehört zur Familie der Schweinsohrverwandten. Wenn es sich tatsächlich um die Goldgelbe Koralle handelt ist sie gut essbar und sogar wohlschmeckend. Allerdings besteht bei den Korallen grundsätzlich eine starke Verwechslungsgefahr, weshalb es wohl auch gleich eine Koralle mit dem schönen Namen Bauchwehkoralle gibt.

Abendliches Panorama

Ich mag dieses abendliche Panorama. Es ist nicht einmal erforderlich, dass die untergehende Sonne eine so schöne Scherenschnitt-Ansicht mit sich bringt. Aber es stört ganz und gar nicht!

Hoch die Becher!

Der Orangebecherling ( Aleuria aurantia) hat letztes Jahr zunächst meinen Horizont und dann mein Herz erobert. Wie er sich durch den steinigen Boden kämpft und dann seinen Becher entfaltet in kräftigem Orange und strahlendem Gelb einfach bezaubernd.

Und doch wird er von den wenigsten Mitmenschen wahrgenommen, denn man muss schon genau hinschauen, um ihn neben all dem Laub dort unten zu entdecken. Nachdem ich diesen Pilz im letzten Jahr an dieser Stelle entdeckt habe, bin ich dort natürlich dieses Jahr wieder hin und tatsächlich schieben sich die Becher gerade durch die Steine ans Licht. Das ist ganz faszinierend anzusehen.

Ich habe letztens einen kleinen Familienausflug mit in diesen Weg genommen, sie dann auf den Boden schauen lassen und dann entdeckten sie die Becherlinge nach und nach überall. Bisher sehe ich sie auch nur an dieser einen Stelle im Wald. Nirgends sonst. Und er hat gerade jetzt eine wahnsinnig tolle kräftige, orange Färbung.

Der Orangebecherling gehört zur Art der Schlauchpilze, darunter zu den Becherlingsartigen und darunter zu den Feuerkissenverwandten. Aslso das ist wieder so ein Name: Feuerkissenverwandte!

Er ist übrigens essbar, soll aber wohl kaum Geschmack haben. Also ich probiere ihn nicht! In diesem Jahr steht das Verkosten eines anderen Pilzes an: dem Judasohr. Dazu dann an geeigneter Stelle mehr 🙂

Keulen im Unterholz

Pilzwunderland, ganz ehrlich! Wer hätte gedacht, dass auch das Unterholz so interessant ist und mit so spannenden naturfunden aufwartet.

Und dieser Fund ist nicht einmal selten, aber der Name ist doch ganz wunderbar: Die Geweihförmige Holzkeule. Ich glaube, diesen Pilz übersieht man gern, da er an Totholz und an Baumstümpfen wächst, aber so gar nicht ins Auge sticht. Besser gesagt, man nimmt ihn nicht wahr. Jetzt nehme ich ihn natürlich immer und überall wahr, an Wegesrändern und im Wald. Aber seine volle Wirkung entfaltet er tatsächlich erst, wenn man sich gaaaanz nah ran an ihn begibt.

Wenn die Geweihförmige Holzkeule sich in dichtem Bewuchs von einem Baumstumpf in die „Höhe“ schlängelt, erinnert sie an Flechten. Und ein Flechten-Fan bin ich ja schon lange. Die Höhe beträgt übrigens so 3-5 cm. Es sind also kleine Wunder!

Auch die Holzkeulen tragen mal wieder sehr interessante Namen: Vielgestaltige Holzkeule (!?), auch Veränderliche Holzkeule genannt, Fädige Holzkeule oder Multiplex Holzkeule seien nur ein paar Beispiele. Wenn ich das richtig sehe, sollten davon auch noch einige in heimischen Wäldern zu finden sein, allerdings sehen sie aufgrund der oftmals rein dunklen Färbung sehr unscheinbar aus. Ich werde mich demnächst auf die Suche begeben.