Zweimal besonders

Letzte Woche erregte beim Gassigang ein strahlendes weißes Flausch meine Aufmerksamkeit. Es fraß in Blickhöhe an einem Blatt und war vielleicht 3,5-4 cm lang. Ich habe keine Ahnung, um was es sich handelt und würde mich freuen, wenn jemand von euch es mir sagen kann.

Und dann gab es noch diesen winzigen Flusenschiss auf einem Blatt. Moment mal, hat sich dieser ca. 3 mm große Fleck etwa bewegt? Jawohl, es bewegte sich und zwar recht schnell als ich anfing, mich zu ihm runterzubeugen. Aufgrund seiner Größe, Struktur und plötzlichen „Geschwindigkeit“ habe ich nur unscharfe Fotos zustande gebracht. Man muss sehr genau hinschauen, aber dann schält sich langsam ein Vorne mit Kopf und Augen heraus.

Es handelt sich um einen Ameisenlöwen! Ein sehr kleiner Löwe, in der Tat. Die Bezeichnung kommt daher, dass die Larven sich nicht nur von Blattläusen ernähren, sondern sich deren ausgesogene Hüllen auf ihrem Rücken verfangen und haften bleiben, was zu ihrem sehr ungewöhnlichem Aussehen und einer sehr guten Tarnung führt. Passend hierzu kann ich endlich mein Foto von der Gemeinen Florfliege (Chrysoperla carnea) zeigen, welches ich vor längerer Zeit auf dem Balkon geschossen habe.

Ah, Exuvien

Zu Beginn war ich noch recht ratlos, um was es sich genau handelt, wenn sich der Gedanke an Überreste von Wanzen auch aufdrängte. Dann entdeckte ich noch eine und wieder eine und kam über Umwege zu ihrer richtigen Bezeichnung: Exuvie.

Exuvie ist ein neues Wort für mich, welches die abgestreifte Haut nach der Häutung bezeichnet. Es ist immer wieder erstaunlich was für Funde man in der Natur machen kann, wenn man genauer hinschaut. Gestern sah ich zuerst die noch sehr platte Larve einer Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) und wunderte mich ein wenig. Ein Blatt darunter sah ich dann die Exuvie. Ich sehe einen Zusammenhang zwischen diesen beiden kann es aber natürlich nicht mit Gewissheit sagen. Leider scheiterte der Versuch, die Exuvie mitzunehmen, da ich gegen ein anderes Blatt kam und sie ins Gras fiel.

Die beiden folgenden Funde machte ich im Juli und sie haben mich so richtig auf den Geschmack gebracht. Im Wald und an den Wegesränder existiert ja seit Wochen ein reger Wanzen-Kindergarten, überwiegend natürlich Grüne Stinkwanzen Larven, aber auch welche von Schildwanzen und Glasflügelwanzen. Deren Exuvien sind aber wirklich selten zu entdecken. Die Überreste sind recht klein und Regen und Wind lassen sie verschwinden.

Da wir schon bei solch verrückten Dingen sind gibt es noch ein Fund aus dem Garten vom letzten Jahr. Zu viele Beine sage ich nur. Ich sehe oben eine Wanzenlarve mit gepunkteten Beinen, werde aber nicht recht schlau aus dem Bild. Es sei denn sie ist auf/in einer Exuvie einer größeren Wanze (?). Allemal spannend.

Im gelben Pelz

Denkt man an eine Dungfliege (Scathophagidae) denkt man nicht unbedingt an etwas Schönes. Betrachte ich allerdings das folgende Foto einer Dungfliege, dann empfinde ich sie als schön.

Bei dieser Gelben Dungfliege (Scathophaga stercoraria) handelt es sich um ein Männchen, diese sind dicht pelzig goldgelb behaart. Sie haben eine Größe von 6-12 mm sind also mit dem bloßen Auge erkennbar, wenn natürlich auch nicht in diesen Einzelheiten.

Diese Fliegen saugen an Blüten, aber auch Insekten, wie man auf dem folgenden Bild sehen kann. Dass ich relativ kleine Insekten bei der Nahrungsaufnahme fotografierte, zeigt sich zumeist erst am Rechner und gehört zu den späten Freuden. Hier hatte ich schon eine Ahnung, dass es mit irgendetwas beschäftigt ist. Mit ihrer Beute beschäftigte Insekten lassen sich meist weniger schnell von mir vertreiben, da sie von der Beute nicht ablassen, aber auch nicht immer mit dieser Beute wegfliegen können. Bei der rechten Dungfliege handelt es sich möglicherweise um eine Scathophaga suilla. Sie ist mit 5-8,5 mm bedeutend kleiner als die Gelbe Dungfliege. Diese Zartheit sieht man ihr im Vergleich auch an.

Überraschung im Ampfer

Die Natur weiß ja sicher was sie tut, aber was da zur Zeit an kleinen Lebewesen umherläuft, das ist erstaunlich. Eine neue Entdeckung aus der wunderbaren Wanzenwelt, ganz genau aus der Kinderabteilung, die ja gerade ihre Hochphase hat: sehr junge Larven der Großen Randwanze (Coreus marginatus), bei uns gemeinhin auch als Lederwanze bekannt. In diesem Zustand sind sie wirklich winzig, nur ganz paar mm groß.

Nach einem ersten Gruseleffekt beim Anblick der Antennen durch das Makro war die Freude groß, diese besondere Wanzenlarve im Ampfer entdeckt zu haben. Da sie nicht nur winzig, sondern auch sehr schnell und schreckhaft waren, brauchte es viel Geduld beim Suchen, Beobachten und Fotografieren. Ich bin an drei Tagen immer mal wieder zu den paar Ampferpflanzen am Feldrand hingeradelt und hockte und wartete, aber es hat sich definitiv gelohnt.

Von diesem freakigen Nachwuchs der bei uns recht häufigen Lederwanze bin ich absolut entzückt. Sie lebt und entwickelt sich an Ampfer, Rhabarber und anderen Knöterichgewächsen.

Ergänzend zeige ich zwei Bilder der Imagines aus dem Garten. Sie sind mit ihren Größe von bis zu 15 mm gut zu entdecken und oftmals sehr entspannt. Die Eiablage findet im Laufe des Frühjahrs an den unteren Blättern der o.g. Pflanzen statt, die Larven schlüpfen bis in den Hochsommer. Ihren Namen verdanken sie der Tatsache, dass ihre Färbung und Struktur Leder ähnelt. Was man auf den folgenden Bildern recht gut erkennen kann.

bunt abgehangen

Diese wunderschönen, weiß-gelben, mit schwarzen Punkten versehenen Raupen sah ich das erste Mal in meinem Leben. Sie hingen im Wald direkt am Wegesrand an einer mir bis dahin namentlich unbekannten Pflanze. Da sie nur an dieser einen bestimmten Pflanze hingen war es ein relativ Leichtes, sie zu bestimmen.

Es handelt sich um Braunwurz-Mönchs Raupen (Shargacucullia scrophulariae). Obwohl sie so strahlend daherkommen, habe ich sie nur zufällig entdeckt und musste sehr genau schauen, um weitere von ihnen zu entdecken.

Man findet diese Raupen von Mitte Juni bis Mitte August, überwiegend, wen wundert’s, an unterschiedlichen Braunwurz-Arten fressend. Sie verschmähen allerdings auch die ein oder andere Königskerze nicht. Tagsüber sitzen sie frei an der Pflanze und ernähren sich von deren Knospen, Blüten, Früchten und ganz offensichtlich auch ihren Blättern.