Wunder im Kleinen

Vor 2 Wochen entdeckte ich im Wald am Mühlenteich Schleimpilze der Gattung Stemonitis. Endlich! Schon länger hoffte ich auf einen solchen Fund, bisher ergab es sich allerdings trotz sensibilisiertem Blick nicht.

So ging es los. Mit einem Plasmodium auf dem Weg zur Fruktifikation, welches sich über zwei Blätter ausgebreitet hatte. Ich sah es nur, da es in einem Haufen kleiner Äste liegt, die immer mal wieder gut für eine Überraschung sind.

Er ließ sich aufgrund der Lage direkt am Wegesrand ganz gut fotografieren, denn so konnte ich mich einigermaßen bequem in ganzer Länge über den Weg legen, um in Ruhe und mit den nötigen Vorbereitungen an diesem und den folgenden Tagen zu fotografieren. Das Licht ist immer ein Problem bei diesen Motivlagen, weshalb ich in den kommenden beiden Tagen für manche Aufnahmen eine Taschenlampe zur Hilfe nehmen musste.

Am folgenden Tag sah das Ganze dann schon ganz anders aus. Die Fruchtkörper hatten sich entwickelt und waren in die Höhe geschossen. Bis dahin hatte ich keine Ahnung, um was es sich handeln würde.

Ab da hat mich dieser Schleimpilz in seinen Bann gezogen. Was für eine Veränderung über Nacht und wie die kleinen Fruchtkörper in die Höhe geschossen sind. Mein Herz schlug auf jeden Fall schneller.

Dann kam der dritte Tag und ich bekam einen Schreck, denn ich konnte zunächst von oben nichts ausmachen und hatte Angst, dass ein Mensch oder Hund über das Blatt gelaufen war. Zum Glück war nur alles schwarz geworden. Was für Kunstwerke ich dann da unten entdecken konnte. Also meine anfängliche Begeisterung für Myxomyceten hat sich dank dieses Fundes weiter vertieft. Gleichzeitig kommt immer auch eine Unzufriedenheit, denn es ist eine technische Herausforderung, sie gut aufs Foto zu bekommen. Ich muss also noch ein wenig in meine Ausstattung investieren.

Zur Größe muss ich aufgrund des Verhältnisses zum Blatt ja nicht viel sagen. Die Gattung Stemonitis wird im Deutschen auch Fadenstäublinge genannt. Da sich Arten der Gattung Stemonitis stark ähneln werde ich nicht genauer als Stemonitis spec.. Die Sporocarpien, das sind die schwarzen zylindrischen Puschel, die am Stiel sitzen, können 1-2 cm lang werden. Diese hier dürften eher in Richtung 1 cm tendieren. Nach diesem dritten Tag dürfte so langsam die Sporenverteilung begonnen haben. Die habe ich allerdings nichts mehr aufgenommen, was auch mit dem immer schlechter werdenden Wetter zu tun hatte.

Bei diesen Aufnahmen unten am Waldboden fasziniert mich nachhaltig das viele Leben welches da unterwegs ist. Wenn ich Fokusstackingaufnahmen mache, also die Kamera eigenständig mehrere den Fokus versetzende Bilder hintereinander macht, überraschen mich immer wieder kleinste Lebewesen, die durchs Bild kriechen oder laufen. Dazu bald mehr. Es reizt mich sehr, in diesem Bereich mehr zu „sehen“ und sichtbar zu machen. Mal schauen, was die nächsten Jahre so mit sich bringen.

Wer die faszinierende Entwicklung von Schleimpilzen quasi wie in Echtzeit sehen will, der schaue sich dieses Video an. Es lohnt sich, bis zum Ende dabei zu bleiben.

So schnell kann’s gehen

Einen Tag gehe ich beim Gasssigehen in den zugewachsenen Waldweg, der zu meiner diesjährigen Insekten-Lieblingsfundstelle führt. Auf dem Weg dorthin, direkt nachdem ich in den Wald gehe, liegt linker Hand ein kleines, recht altes Stück Totholz das immer wieder gut für Schleimpilzfunde ist. Diesmal entdeckte ich einen winzigen kleinen roten Fleck, der mich magisch anzog. Und aus der Nähe bot sich mir dann dieses Bild:

Ein kleine Ansammlung mit zwei unterschiedlichen Schleimpilzen. Diese winzig kleine Ansammlung roter Fruchtkörper konnte ich bisher nicht bestimmen. Die ganze Ansammlung maß ca. 1-1,5 cm! Das andere dürfte ein Glänzendes Fadenkeulchen (Sternonitopsis typhina) sein. Beides tolle Schleimpilz-Funde, die ich unglaublich gern die folgenden Tage begleitet hätte, um ihre Entwicklung zu dokumentieren.

Aber dann, zwei Tage später das:

Gefühlt wurde der halbe Wald mit Karacho abgeholzt und welcher Ort wurde für das große Zwischen-Holzlager gewählt, ganz genau, links und rechts des Wegs, wo auch mein schönes altes Totholz lag und auch viele spannende Insekten im und am Wegesrandgrün zu bewundern waren. Jetzt ist alles platt und tot für längere Zeit. Ein mittelgroßer Schock, erst recht da die komplettte Zuwegung und der Waldweg extrem verbreitert und plattgewalzt wurden. Es gibt jetzt Kreuzungen im Wald, wo es bisher nur Wald gab, alle Insekten am Wegesrand sind futsch, und der Wald/Waldboden/Fauna wird brauchen, um sich wieder zu erholen. Heute früh beim Gassigang sah ich dann, dass sie immer noch am Stapeln sind und die Polter noch bedeutend größer und breiter werden. Hach ja.

Fischeier an Totholz

Juchhu ein neuer Schleimpilz-Fund! Es handelt sich um den sogenannten Lachsfarbenen Schleimpilz (Tubulifera arachnoidea), auch Fischeierschleimpilz genannt. Den wollte ich so gern mal finden und dann erkenne ich ihn erst am Rechner! Mit dem Hund war ich an dem Tag im sehr feuchten Wald unterwegs, hatte zuvor ganz viele Hörnlinge aufgenommen und diesen Schleimpilz dann zunächst für Rotschichtschleimpilz gehalten. Welch Überraschung am Abend beim Sichten der Bilder. So erweitert sich Stück für Stück die Sammlung.

Sommerliche Schleimer

Dies ist mein erster Sommer, in dem ich bewusst nach Schleimpilzen Ausschau halte. Im letzten Jahr sah ich Gelbe Lohblüte, aber das war es eigentlich auch schon. Eine meiner Neuentdeckung in diesem Sommer ist der Arcyria obvelata, auch Nickender Kelchstäubling genannt.

Er ist bedeutend schwerer zu entdecken als die Lohblüte. Die kleine Hängegruppe auf dem ersten Foto entdeckte ich erst, weil ich vor einem benachbarten Ast am Boden kniete. Sie mögen vielleicht eine Größe von 1,5 x 1,5 cm haben. Die Art fruktifiziert in kleinen Gruppen, wie man sehr gut auf den Fotos sehen kann und ist an totem Nadelholz zu finden. Auch die ganz leicht hellgelbe oder ockergelbe Farbgebung hilft nicht beim Finden.

Schleimpilze, bzw. Myxomyceten sind ja oftmals witzig anzusehen, allerdings muss man dafür schon ein Makro vor die Kamera schrauben, denn sonst kommt seine Struktur nicht recht zur Geltung. Die Funde habe ich Anfang Juli gemacht, danach war es wegen der extremen Mückensituation fast unmöglich abseits der Waldwege zum Totholz zu gehen, geschweige denn im Laub zu knien, um Fotos zu machen. Auch durch mehrere Shirts und lange Hosen wurde ich unzählige Male gebissen. Das macht dann keinen Spaß mehr.