orange gnubbels

Endlich mal wieder Blutmilchpilze (Lycogala epidendrum)!

Vor knapp 2 Jahren im November 2020 entdeckte und bestimmte ich meine ersten Blutmilchpilze, die ja keine Pilze, sondern Myxomyceten sind, gemeinhin auch gern Schleimpilze genannt. Obwohl man sie das ganze Jahr über entdecken kann, und nicht wie so viele Myxomyceten nur im Sommer oder im Winter, sah ich jetzt länger als ein Jahr kein Exemplar. So richtig zu übersehen ist der Blutmilchpilz im jungen Stadium nicht, da seine Fruchtkörper von knallig oranger bis roter Farbgebung auf den Stubben und Totholz weithin sichtbar sind. Die abgebildeten 2 großen und 2 kleinen Fruchtkörper waren insgesamt ungefähr 2,5 cm breit.

Bei Myxomyceten handelt es sich um Einzeller, die sich fortpflanzen und fortbewegen. Dies tun sie als glibberige Masse, während sie sich von allem möglichen Organischem ernähren, über das sie so am Waldboden, auf Blättern und zumeist Totholz hinweg-glibbern: Bakterien, Pilzen oder auch Insekten. Aus der glibberigen und anwachsenden Masse gehen irgendwann durch langsames Austrocknen die sogenannten Fruktifikationen hervor, welche die unterschiedlichsten Formen entstehen lassen. In diesem Fall sind es Orange Gnubbels.

Von Kugeln und Bechern

Beim nächsten bisschen Sonnenschein hatte ich mir vorgenommen in das kleine Waldstück zu gehen, wo vor einiger Zeit Holzraubbau begangen wurde um zu schauen, welche meiner Totholz-Schätzchen erhalten geblieben sind. Mein Lieblings-Polter, nicht allzu weit von der Straße entfernt, ist zum Glück erhalten geblieben.

Junge, weiße Fruchtkörper des Wollkugelschleimpilzes (Comatricha nigra), rote Trichia-Kugeln, feine kleine violette Becherchen (Fleischroter Gallertbecher/Ascocoryne sarcoides), eine etwas größere Ansammlung von Wollkugeln und ein älterer Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum). Es gibt zur Zeit viele von ihnen, sie sind allerdings in dieser Farbgebung nahezu unsichtbar am Totholz.

Die kleine Fruchtkörperansammlung auf Bild 1 misst insgesamt ca. 2 cm in der Breite, zu ihnen gibt es auf Bild 6 eine Fundstellen-Übersicht. Dort findet man sie ganz oben an der Schnittkante. Auch die größere Ansammlung von Wollkugelschleimpilz-Fruchtkörpern sieht man nochmal in einer etwas größeren Gesamtansicht. Aus einem kleinen, ca. 4 cm großem Blatt wuchsen in einer Vertiefung des Totholzes ein paar winzige kleine Pilze. Nach diesen Funden ging ich beschwingt wieder nach Hause.

Akzente im Gehölz

Die Schleimpilze setzen fröhliche Farbakzente im Wald.

Aufgrund der ersten beiden Lohblütenfunde (zu sehen auf den ersten 3 Bildern), die ich am Mühlenteich machte, hatte ich mir vorgenommen, in dieser Woche nochmal einen speziellen Weg in Wassernähe zu gehen. Also schnappte ich mir kurz vor 11 bei leider schon 29° im Schatten den Hund und wir machten uns auf die Suche. Nur einen einzigen konnte ich heute entdecken, bevor wir uns zum Auto zurückschleppten und es für heute gut sein ließen.

Die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), auch Hexenbutter genannt, gehört ebenso wie der bekannte Badhamia zur Familie der Physaraceae und ist recht häufig anzutreffen. Ich sehe sie zumeist auf oder neben einem bemoosten Baumstubben. Sie ist ein Myxomycet der warmen Jahreszeit und oftmals schon ab dem Frühjahr anzutreffen. In diesem Jahr bei Regen und Kälte war das allerdings eher nicht der Fall.

Der Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum) scheint sich zu einem ständigen Begleiter meiner Waldbesuche zu entwickeln, ich würde mich aber durchaus über das Entdecken neuer Schleimpilzarten freuen.

Farbwechsler

Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum) am Mühlenteich. Bei genauerem Hinsehen erweist sich der schmale Weg rechts des Mühlenteichs als wahre Fundgrube. Allerdings wird es zusehends schwieriger, weil jetzt natürlich am Ufer alles dschungelmäßig zuwächst.

Die ersten beiden Fotos mit der krassen Farbe entstanden am Tag der Entdeckung mit Hund. Dann kamen mal wieder Dauerregen und Sturm und bis ich zwei Tage später endlich wieder hin konnte, eigentlich um bessere Fotos zu machen, hatte er sich schon gewaltig verändert. Seine Farbe war aus ihm entwichen! Kleiner Lichtblick: Ein Stück von der Gruppe gab es einen einzelnen, frischen, fröhlichen, rosafarbenen Fruchtkörper.

Vorsicht, Vampirgefahr!

Diese einzelne, zarte Schönheit entdeckte ich auf einem Stück Totholz am Kupfermühlenteich. Ich hatte keine Ahnung, um was für einen Pilz es sich handeln könnte, aber ein Pilz musste es sein, wenn auch ein sehr kleiner, denn er war unter 1 cm klein. Dann entdeckte ich ihn einige Tage später beim Blättern in meinem Pilzbuch, aber dieser Pilz war weg.

Vorgestern beim Gassigehen, wie soll es anders sein, nahm ich auf die Schnelle ein paar interessante Farbkleckse auf einem anderen Stück Totholz in einem anderen Waldstück auf und entdecke am Rechner, es ist der gleiche Pilz und zwar ein Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum)!

Also kurz vor Sonnenuntergang nochmal los, bewaffnet mit einem kleinen Stück Draht, um zu überprüfen, ob es wirklich der Blutmilchpilz ist und er blutet. So sah das dann aus:

Sie sind lustig und hübsch anzusehen, einige Exemplare erinnern mich an einen menschlichen Popo, sie können abhängig vom Alter krasse Farbvarianten aufweisen oder auch ganz dunkel werden.

Mit dem Blutmilchpilz habe ich einen neuen Schleimpilz in meinen kleinen Waldgebieten entdeckt und es ist nicht der Einzige. Da scheint ein spannendes Pilzjahr auf uns zuzukommen.