118 Meter Kreide

Es ist nicht ganz CDF, aber einen Eindruck konnten wir gewinnen. Auf den Fotos sieht man den Blick nach links und rechts vom Königsstuhl auf Rügen.

Zum Glück nimmt man die fotografischen Eindrücke mit nach Hause, denn gedrängt auf einer recht kleinen Plattform mit ach so vielen Menschen, die die notwendigen Abstände ebenso wenig einhalten mögen wie das vor Ort erbetene Masketragen, genießt es sich nicht so recht. Aber ich wollte da unbedingt hin und habe es trotz Pflichteintritt von 10 € pro Person zu einem für mich eigentlich „öffentlichen“ Ort auch nicht wirklich bereut. Man steht dort übrigens 118 m ü.NN. Natürlich gab es auch etwas ruhigere Plätze, dazu ein anderes Mal mehr.

Sammelleidenschaft

Einige Zimmerreisen habe ich leider verschlafen, aber heute schaffe ich es am letzten Tag noch die Zimmereise zum Buchstaben S zu schreiben.

Irgendwann noch vor der Jahrtausendwende erwischte mich das Designfieber der 60er/70er Jahre und einige wenige Stücke begleiten mich bis heute. Dazu zählen die folgenden, vom Designer Cari Zalloni (1937-2012) für Steuler in Höhr-Grenzhausen entworfenen Stücke. Mir haben es besonders die Vasen und Kerzenständer mit der Markierung 226/30 (Vase groß), 225/25 (Vase klein) und 150/25(Kerzenständer) angetan.

Den Anfang machten erste Funde auf den typischen Hamburger Trödel- und Antikmärkten. Allen voran damals die Märkte in den Hamburger Messehallen. Große Hallen gefüllt mit einer unglaublichen Bandbreite an Dingen, die es schon lohnte nur anzuschauen und sich einfach an ihrer Existenz zu erfreuen.

Eine wahre Fundgrube für mich war Anfang des 21. Jahrhunderts das Stilbruch in Wandsbek, ein Tochterunternehmen der Hamburger Stadtreinigung, wo alles Brauchbare in zwei großen Hallen veräußert wurde und immer noch wird.

Was konnte man damals dort für Funde machen und zwar zu unglaublich günstigen Preisen.

Ich widme mich seit einiger Zeit der Reduktion. Bestimmte Dinge aber sind zu mir gekommen, um zu bleiben. Die Steuler Keramik zählt definitiv dazu. Vieles andere aus der Zeitperiode konnte mich nicht dauerhaft überzeugen und hat den Weg zu neuen, glücklichen Besitzern gefunden.

Zimmerreise mit Haien

Meine nächste Zimmerreise führt mich bis zu 50 Millionen Jahre in der Zeit zurück und zwar zu den Haifischen, die damals noch dort schwammen, wo wir seit einigen Jahren ab und an Urlaub machen. Haie können während ihres Lebens zigtausend Zähne verlieren. Das erklärt ein wenig, warum wir heute fossile Haifischzähne an der Nordseeküste der Niederlande und zwar an ihrem südlichsten Zipfel in Cadzand finden können.

Im Folgenden sieht man einen kleinen Überblick über einen Teil meiner Sammlung. Auf dem ersten Bild ist das im ersten Jahr erworbene Haaientandenzeef zu sehen, in welches man den Strandsand schaufelt und dann im besten Fall beim Durchsieben einen Zahn übrig behält. Ein Erinnerungsstück, welches bei uns keinen praktischen Nutzen hatte. Wir suchen den Strand Meter für Meter ab und suchen natürlich die bekannten guten Stellen nach der Flut auf.

Auf den Bildern sind höchstwahrscheinlich Zähne vom Makohai, Sandtigerhai, Tigerhai, Kuhhai und Raubhai zu sehen. Vermutlich hat sich auch ein Krokodilzahn unter die anderen Zähne geschlichen, den ich hier nicht vorenthalten wollte.

Die Suche nach Haifischzähnen hat uns das erste Mal 2007 vom belgischen Ort Bredene 45 Minuten die Küstenstraße rüber in die Niederlande zum Radarturm in Cadzand fahren lassen und das gleich mit Erfolg: zwei ansehnliche Exemplare habe ich mit nach Hause genommen. Es hat sich eine intensive Leidenschaft entwickelt, die bis heute anhält, wenn auch mit den Jahren immer weniger zu finden war. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass das Aufschütten von Sand aus der Nordsee nicht mehr erfolgt. So suchen viele Menschen nach den wenigen Zähnen die frisch mit der jeweiligen Flut angespült werden.

Neben den Haifischzähnen gibt es noch mehr fossile Überbleibsel, die man früher gut und heute noch selten finden kann: die Rückenwirbel von Fischen, im Besonderen Haien und Rochen. Im Jahr 2010 wurden die Deiche erweitert und dafür ganz viel Sand vom Grund der Nordsee hoch auf die Dünen gepumpt. Ein Bild von der damaligen Düne ist oben zu sehen. Was für eine Landschaft das war!

Je nachdem in welchem Sediment die Wirbel versteinerten weisen sie einen helleren oder dunkleren Farbton auf.

Die Zeit der großen Funde in Cadzand scheint leider vorbei zu sein, aber die Niederlande und gerade Zeeland bleiben natürlich sehr schöne Reiseziele. Diese vierte Zimmerreise zu schreiben hat mich wieder einmal die Schachteln und Gläser rausholen und bestaunen lassen und sie lässt mich an neue Fossilienreiseziele denken …

Ostseejade – Eine Zimmerreise

Kurz vor knapp meine Zimmerreise mit „F“. Das passt ganz hervorragend, denn hinter dem Begriff Ostseejade versteckt sich der Faserkalk.

Meine Liebe zum Faserkalk kam mit dem Umzug in Ostseenähe. Die Sammelleidenschaft war zuvor durch Nordsee und Eifel bereits vorhanden, so dass es häufiger in den Abendstunden mal an die Steilküste ging und neben Fossilien recht schnell der erste Faserkalkfund erfolgte. Sofort hatte ich eine neue Sammelleidenschaft.

Die meisten Stücke werden in zwei großen Gläsern aufbewahrt. Zuerst haderte ich damit, die Stücke aus den Gläsern zu nehmen, denn ich würde sie ja nie wieder genauso ins Glas zurückbekommen. Aber dies ist die sehr willkommene Gelegenheit für ein kleines Fotoshooting.

Faserkalk ist ca. 50 Millionen Jahre alt und stammt aus dem Zeitalter des Eozän (unteres Tertiär). Man findet ihn in Norddeutschland und Dänemark. Vor um und bei 50 Millionen Jahren entstanden bei der Öffnung des Atlantiks viele Vulkane. Deren Asche wurde in feines Tonsediment eingetragen. Später wuchsen aus diesem feinen Sediment feinste Kalkkristalle in den umgebenden Ton. Hieraus resultiert die Nahtlinie der Faserkalke, die man auf dem zweiten Foto gut bei den abgebildeten Exemplaren erkennen kann. Nicht alle Stücke weisen eine solche Linie auf, da sie an dieser Stelle leicht zerbrechen.

Dunkle Schlieren in den Kalken können auf Ascheablagerungen hindeuten. Da hält man ein kleines Stück Erdgeschichte in der Hand und darin eingeschlossen ist die Asche von vor 50 Millionen Jahren!

Faserkalk eignet sich ebenso wie Bernstein zur Schmuckherstellung, da er sich gut schleifen lässt. Für mich steht er dem Bernstein an Schönheit in nichts nach. Geschliffen habe ich ihn noch nicht, habe das aber irgendwann einmal vor. Es gibt auch eine rosafarbene Variante des Faserkalks, die aber bedeutend seltener ist als die gelb-grünliche Variante, erst recht an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Ich besitze nur ein paar sehr kleine Stücke rosa Faserkalk und habe oben das größte Exemplar davon gezeigt.

Ganz oben auf dem dritten Foto sieht man die Sammelgläser auf der Bar in Kombination mit der Keramikplatte von Cathy Fleckstein. Nicht nur vom Namen her passend zu dieser Zimmerreise, harmonieren Faserkalk und Keramik auch wirklich gut miteinander. Vielleicht lasse ich die Gläser für eine Zeit dort stehen. Darüber hinaus nehme ich mir jetzt einfach mal vor, diese schöne Keramikplatte mit dem Titel „Verwoben“ beim passenden Buchstaben zu würdigen.

Ehrenbreitstein, meine Schöne!

Meine zweite Zimmerreise führt mich zurück in die Jahre 2007/2008. Damals führte mich der schönste Arbeitsweg meines Lebens von Koblenz-Horchheim nach Rengsdorf. Morgens fuhr ich auf der rechten Rheinseite mit Blick nach links auf die erwachende Koblenzer Innen- und Altstadt los, dann an der kleinen Insel Niederwerth (ein schöner Ort für regelmäßige Spaziergänge) vorbei und bei Neuwied das Schiefergebirge hoch in den kleinen Ort Rengsdorf. Kurz nach dem Blick auf die Koblenzer Innenstadt zeigte sich allmorgendlich das wunderschöne Panorama der Festung Ehrenbreitstein:

Dieses kleine Bild der Festungs-Ansicht hängt bei uns seit ein paar Jahren zur Erinnerung gut sichtbar an der Wohnzimmerwand. Die Ehrenbreitstein hat mich von Anbeginn in ihren Bann gezogen. Egal ob sie von der Sonne beschienen wurde oder drohende Wolken über ihr standen, ihr Anblick war mir immer eine Freude. Unendlich viele Spaziergänge habe ich dort oben gemacht, natürlich mit jedem Besuch, gern auch alleine oder zu zweit. Einen Hund gab es damals noch nicht, aber sie dürfte mit rein.

Die Feste Ehrenbreitstein überragt die Mündung der Mosel in den Rhein, genau dort wo auf der anderen Rheinseite das Deutsche Eck ist. Es handelt sich bei ihr um eine preußische Festung, gebaut in den Jahren 1817-28, ausgelegt für eine Kriegsbesatzung von 1.500 Mann. Im Festungsführer las ich gerade, dass Funde eine Besiedelung des Felsens bis 4000 Jahre vor Christus belegen. Wahnsinn! Die Bilder zeigen typische Ansichten innerhalb der Festung, ein paar Architekturdetails sowie ein Beispiel meiner damals erwachten Leidenschaft für Farben und Rost.

Auch der Blick von der Festung war natürlich immer wieder lohnend. Schaute man doch von immerhin 118 Metern vom Schlosshof runter auf das Deutsche Eck und konnte die Rheinschifffahrt beobachten. Heute wäre auf diesem Bild noch eine Seilbahn zu sehen, welche im Rahmen der Erweiterungen zur Buga 2011 erstellt wurde und von den Anlagen der Festung runter zu den Rheinanlagen führt.

Ach, meine Gedanken gehen auf Reisen. Der Rhein, die Mosel, die Lahn, Stolzenfels, Burg Lahneck, die Marksburg, die Eifel, Schiefergebirge und Fossilien. So viele lebhafte Erinnerungen an diese zwei wunderschönen Jahre. Allein die Tatsache, dass man an Rhein oder Mosel mit dem Auto alle paar Minuten eine neue Burg erblicken konnte. Wie oft bin ich nach der Arbeit einfach weitergefahren und habe fantastische Eindrücke von Burgen und rheinischem Schiefergebirge beim Sonnenuntergang eingesogen. Und joggen unten am Rhein Richtung Lahnstein mit Blick auf Stolzenfels und Burg Lahneck. Es ist ein Privileg, diese besonders schöne Gegend erlebt haben zu dürfen.

Ich schließe die Zimmerreise mit ein paar Bildern meines Arbeitswegs vom Radwanderweg aus fotografiert, einem letzten Panoramabild von der Festung Ehrenbreitstein, denn man kann nie genug bekommen und einem Dank an Puzzle für die zweite Runde Zimmerreisen, an deren letztem Tag ich es gerade noch so geschafft habe.