Von Vögeln und Nestern

Viele Vögel sind zur Zeit zu hören und bei den täglichen Spaziergängen im Flug zu beobachten. Sie lassen sich nicht so gern aufnehmen, aber in der vergangenen Woche sind zumindest ein paar wenige Aufnahmen geglückt. Es liegt natürlich nicht nur an den Vögeln, mal genieße ich ganz ohne Fotolust, mal ist die Kamera nicht dabei, mal bin ich zu langsam, mal der Hund abgelenkt und dann und wann liegt es tatsächlich an den Vögeln. Das folgende Bild mag ich von der Stimmung her am meisten:

Diese Rotkehlchen! Immer an der gleichen Stelle, immer sind sie da, wenn ich mit dem Hund um die Ecke komme und jedes Mal, wenn ich die Kamera ausgerichtet habe, weg. Aber dann, an anderer Stelle hat sich ein Rotkehlchen (Erithacus rubecula) meiner erbarmt, kam angeflogen, quer über die Bahntrasse und setzte sich rechts davon auf einen Zweig. Da blieb es, schaute mich bisweilen an und ließ sich fotografieren. Eventuell lag es an der argen Kälte an dem Tag, dass es dennoch etwas unscharf ist. Ach, es ist auch wieder Zeit für Vogelnester, die sich uns in der kahlen Landschaft zeigen.

Kleiner Gast zu Besuch

Sehr flinker kleiner Gast trifft es noch viel besser. Ich wollte gerade Amseln auf der Gartenhaselnuss fotografieren als ich im Augenwinkel etwas auf der Balkonbrüstung wahrnahm. Ein kleiner Zaunkönig. Meine erste Sichtung auf dem Balkon. Und schnell war der. Er lief im Anschluss unten auf dem Balkonboden zwischen den Pflanzkübeln hin und her, unglaublich, ich habe ihn nicht mehr aufs Bild bekommen.

Umrahmt wird er hier vom Balkonahorn und dem Essigbaum im Garten. Er ist ja wirklich gerade bei Schietwetter eine Augenweide. Das Wetter steht ihm einfach! Vom Ahorn wird es wohl das letzte Bild des Jahres sein. Er verabschiedet sich in seinen Winterschlaf.

War was?

Manches mal nimmt das Auge etwas wahr, aber das Gehirn braucht noch ein paar weitere Meter bis es signalisiert, dass da etwas abweicht vom Normalen. So auch bei diesem Morgenspaziergang, wo auf dem Baumschutz bei den übernächsten Nachbarn ein Greifvogel saß. Gegen die Morgensonne fotografiert ließ sich nicht mehr erkennen. Es ist doch immer wieder beruhigend, was man alles sieht.

Wildtiermorgenspaziergang

Gleich doppeltes Glück beim Morgenspaziergang und wieder einmal die Bestätigung, dass man dem Bauchgefühl folgen soll. Denn das hatte gesagt, nimm die Kamera mit dem Tele mit. Gleich als wir auf die ruhige Straße beim Ponyhof einbogen, segelte ein Vogel kurz vor uns über die Straße und das was ich vom Gefieder sehen konnte, versprach etwas Schönes.

Es war ein Turmfalke (Falco tinnunculus), ein Männchen und meine erste Sichtung hier bei uns. Etwas später dann standen diese beiden Rehe gut getarnt im schmalen Waldsteifen zwischen Feld und Bahntrasse. So kann der Tag beginnen!

Bock auf Käfer

In den vergangenen Wochen ist mir eine kleine Vielfalt Bockkäfer über den Weg und vor die Kamera gelaufen. Den schwarz-gelben Gemeinen Widderbock (Clytus arietis) entdeckte ich das erste Mal morgens im Garten auf der Suche nach Wanzen. Plötzlich saß er da neben mir auf einem Blatt und ich hielt ihn zunächst für ein Fluginsekt. Laut einem Insektenbuch soll er scheu sein und bei der kleinsten Störung flüchten. Das kann ich, auch nach der Begegnung auf dem Balkon, nicht bestätigen.

Sehr elegant finde ich den Mattschwarzen Scheibenbock (Ropalopus femoratus). Diese strahlenden roten Oberschenkel sind doch wirklich ein Hingucker, oder? 

Nur ein Bild gelang mir vom Gefleckten Blütenbock (Pachytodes cerambyciformis), vom Kleinen Schmalbock (Stenurella melanura) und Rothalsbock (Corymbia rubra) sogar nur jeweils ein mit dem alten iPhone, aber immerhin (Ich bin ja auch eine Sammlerin geworden). Witzigerweise ist der rote Käfer der Kleine Schmalbock und der beige Käfer der Rothalsbock, wobei es sich um ein Männchen handelt, denn die Weibchen haben einen roten Hals (daher wohl auch der Name) und rote Flügeldecken. Wirklich schöne Fühler hat der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens).

Wegen dieser Fühler, die bei vielen Bockkäfern gebogen und nach hinten getragen werden, mithin an einen Steinbock erinnern (?), sollen sie ihren deutschen Namen tragen. Das finde ich ganz schön weit hergeholt, aber gut. Interessanter liest sich da die Erklärung ihres wissenschaftlichen Namens Cerambycidae. Der rührt aus der griechischen Mythologie und zwar vom Schäfer Cerambos her, der nach einem Streit mit Nymphen in einen Käfer mit Hörnern verwandelt wurde. Ja, zu solch schönen kleinen Anekdoten kommt man, wenn man einfach mal die Käferwelt näher betrachtet.