Feuchtigkeit als Lebenselixier

Das Schöne an diesen langen feuchten Tagen sind die Pilze, die so richtig davon profitieren und die sich jetzt endlich in ihrer ganzen Pracht zeigen. Es beschwingt die Judasohren (Auricularia auricula-judae) aus jeder Ritze der Holunderbäume hervorzukommen und die Goldgelbern Zitterlinge ihre Farbkleckse in die Landschaft zu setzen. Sie sind diesen Winter im Verhältnis zu den letzten beiden Jahren spät dran.

Der Balkon-Ahorn verabschiedet seine letzten Blätter mit einer kleinen Schnee/Eisschicht. Meine erste Pilz-Neuentdeckung in 2021 ist der Rotbraune, bzw. Blattartige Zitterling, den ich auf einem Polter mit Kurzholz entdeckte. Womit noch ein neuer Fachbegriff dazu kommt. Schon länger fragte ich mich, wie die Stapel mit dem Nutzholz eigentlich heißen. Da könnte ich direkt nochmal einen Beitrag zu machen, letztes Jahr wurden hier wirklich viele Bäume geschlagen.

Filigranes Leben in Totholzritzen

Vor einiger Zeit hatte ich über den Rotköpfigen Schleimpilz (Trichia decipiens) und seine winzigen orangen bis braun-goldenen Kugeln berichtet und hoffte, leider erfolglos, ein Foto von den Fruchtkörpern zu bekommen, wenn sie ihre Sporen verteilen. Jetzt hatte ich an einer anderen Schleimpilzfundstelle Glück. Es könnte sich um einen Trichia decipiens handeln, zumindest sollte es sich um die gleiche Familie (Trichiidae) handeln. Schleimpilze und ihre Bestimmung ist eine Wissenschaft für sich.

Nachdem ich zu Weihnachten schon das wunderbare Buch „Die Wanzen Deutschlands“ mit mehr als 500 Wanzen bekommen habe, steht jetzt das Buch über Schleimpilze von Marion Geib ganz weit oben auf meiner Wunschliste (die merkwürdigsten Leidenschaften greifen sich mir). Auf ihrer Website Schleimpilze.com, auf der sie auch einen eigenen Schleimpilz-Jahreskalender anbietet, war interessanter Weise zu lesen, dass es 2019 keinen Kalender gab, weil die Witterung zu schlecht für Schleimpilze war. Das scheint dieses Jahr nicht der Fall zu sein.

Noch am Anfang meiner Schleimpilzleidenschaft stehend weiß ich noch nicht, wo sie mich hinführt. Wer einfach mal faszinierende Bilder sehen will, dem sei diese norwegische Seite ans Herz gelegt, über die ich beim wilden Netzgestöber gestolpert bin. Helge G. Gundersen zeigt eine schier unglaubliche Fülle an bezaubernden Makro- und Mikroaufnahmen der unterschiedlichsten Myxomyceten. Sehr beeindruckend.

Tintlingsdezett

Ich mag sie die Tintlinge, wie sie im Herbst links und rechts des Wegs durchs Laub stoßen und sich dann verwandeln. Früher habe ich gar nicht gewusst, dass es sich um ein und denselben Pilz handelt und im letzten Jahr habe ich gelernt, dass es neben dem Schopftintling auch einen Spechttintling gibt. Bis dahin hatte ich mich nur gewundert, dass er manchmal irgendwie anders aussieht, der Schopftintling (lach).

Der Schopftintling (Coprinus comatus)  ist übrigens ess- und sogar genießbar. Allzu viel Zeit darf man sich allerdings mit dem Verzehr nicht lassen, sonst zerfließt er zu Tinte. Mit dieser Tinte kann man überdies ganz wunderbar schreiben, denn die Bezeichnung Tintling rührt daher, dass früher mit diesem Pilz Tinte hergestellt wurde. Daran hatte ich trotz ihres Namens bisher noch nie gedacht. Über die Tintenherstellung habe ich gerade auf dieser Seite gelesen. Es ist doch immer wieder schön, womit andere Menschen so ihre Freizeit verbringen.

Der Specht- oder Elsterntintling (Coprinopsis picacea) gehört zur Familie der Mürblingsverwandten. Wo wir endlich mal wieder bei interessanten Namen wären. Ich stelle mir kleine Mürblinge vor … . Der zu Beginn eiförmige Pilzhut bricht mit der Zeit an einigen Stellen auf, das dunklere Innere bricht hervor und das weiße Äußere bleibt in Flocken kleben. Dieser Zustand soll an einen Specht (genauer seinen Rücken), bzw. an das Gefieder einer Elster erinnern. Hm! Wie man sich so die (deutschen) Pilznamen zusammenreimt.

Und weil’s so schön ist, noch drei Duette von Specht- und Schopftintling.

Rote Tropfen in violetten Schichten

Mal etwas anderes, aber nicht minder Interessantes und Schönes als Schleimpilze: Der Violette Knorpelschichtpilz (Chondrostereum purpureum). Er wächst an Totholz, sehr gern und gut sichtbar auch an den Schnittkanten. Bei näherer Betrachtung kann man oft ganz kleine rote Tropfen erkennen, es sieht fast aus, als weinte der Pilz blutrote Tränen. Man kann sie zum Glück so gerade noch mit bloßem Auge erkennen (der folgende Pilz ist nur einige cm groß) und dann ganz entspannt das Makro zur Hilfe nehmen.

Bei den „Tränen“ handelt es sich um sogenannte Gutattionstropfen. Ein neues Wort für mich. Bei der Guttation geben Pflanzen und Pilze Flüssigkeit ab. Das ist offenbar notwendig, damit im Zustand einer Wassersättigung   eine Transportstörung von Mineralstoffen vermieden wird.

Dann gab es noch einen kleinen unerwarteten Zaungast. Ich bin mir noch nicht sicher, wer es ist. Ich würde sagen, er war so um die 5-7 mm groß.

Klitzekleine Weihnachtskugeln

Nicht ganz klassisch in rot oder goldglitzer, dafür gelb glänzend und winzig klein. Es sind die Fruchtkörper eines winzigen Schleimpilzes. Er hat mich, der Schleimpilz-Virus. Ach, wie ich mich mittlerweile freue, wenn ich mit dem Kopf fast in einen sich in Auflösung befindlichen Totholz-Stamm eintauche und dabei ganz winzige kleine farbige Punkte entdecke, die sich erst durchs Makro und manches Mal erst durch die zusätzliche Nahlinse so richtig erkennen lassen. Faszinierend und schön! Mein Beitrag zum 4. Advent. Habt einen geruhsamen Abend!