Die wundersame Mehrung

Dieser warme und sehr feuchte Winter bringt mich nach kurzer Zeit zu einem erneuten Beitrag über die fantastischen Judasohren. Wie die Zitterlinge und auch die Drüslinge, kleiner Vorgeschmack auf Kommendes, blühen auch die Judasohren (Auricularia auricula-judae), durch dieses für sie fruchtbar feuchte und nicht allzu kalte Wetter auf. Die Besonderheit bei ihnen ist eine wundersame Vermehrung, die allzu schön anzusehen ist.

Perfektes Wetter

Zumindest für die Pilze im Allgemeinen und die Goldgelben Zitterlinge (Tremella mesenterica) im Besonderen. Diese gelben Tupfer links und rechts sind ein sonniger Begleiter in diesen Tagen.

Sie fallen aktuell oft den Stürmen zum Opfer und liegen dann zu meinen Füßen auf und neben den Wegen.

Der Fruchtkörper des goldgelben Zitterlings wächst und schrumpft je nach Wetter. So wie jetzt, bei starker und anhaltender Feuchtigkeit wächst er, wird es trocken schrumpft er zusammen und wird wieder unscheinbar. Wird es wieder feuchter, wächst er erneut und fällt auch wieder ins Auge.

Striegeliger Schichtpilz

Seine Farbenpracht hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Ein kräftiges Gelb in unterschiedlichen Nuancen auf dem immer noch eher herbstlichen Waldboden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich um einen striegeligen Schichtpilz (Stereum hirsutum) handelt, der in „ausgeklapptem“ Zustand Trameten ähnelt. Nach den Kammpilzen, nun also die Schichtpilze. Nachdem ich mir einige Fotos im Netz angeschaut habe, war ich mir außerdem sicher, dass ich ihn bereits häufig aufgenommen hatte. Ein paar Beispiele konnte ich auf die schnelle noch finden. Ich würde aktuell vermuten, dass es sich bei allen abgebildeten Pilzen um den striegeligen Schichtpilz handelt. Aber Fehlbestimmungen sind nicht ausgeschlossen.

Kamm, was?

Eine neue Entdeckung: Kammpilze. Hier zwei Exemplare, die mich, zumindest nach Blick durch das Makro ziemlich beeindruckten.

Der obere Pilz war vielleicht so 2-3 cm lang. Ich denke, dass es sich um orangerote Kammpilze (Phlebia radiata) handelt. Diese Kammpilze beginnen offenbar als kleine Flecken mit ausgeprägten orangen Ecken (das passt sehr gut) und wachsen dann mit anderen Fruchtkörpern ihrer Art zusammen, so dass sie dann immer großflächiger werden.

Ein normaler Blick auf diesen Pilz lässt ihn wirklich nicht interessant erscheinen. Schaut man aber im Detail hin, dann wird’s spannend. Das Interessante an diesem Pilz ist das Hymenophor. Das Hymenophor ist ein Teil des Fruchtkörpers, der unterschiedlichste Formen haben kann, hier ist es das wurmartige Gewusel. Das ist zumindest die Bezeichnung, die mir bei näherer Betrachtung als erstes durch den Kopf ging.

Das letzte Bild zeigt wohl ein älteres Exemplar. Als nächstes bin ich an Schichtpilze dran und an den wirklich kleinen Pilzen. Es wird nicht langweilig mit den Pilzen.

Der wandelbare Badhamia

Badhamia –  das klingt exotisch.  Es handelt sich hierbei um einen Pilz, genauer gesagt um einen Schleimpilz und zwar einen recht wandelbaren.

Der Badhamia utricularis ist ein Schleimpilz, der es faustdick hinter den Ohren hat. Er kann recht unscheinbar sein und so entdeckt man eventuell irgendwo am Totholz nur einen kleinen gelben Fleck. Der mag vielleicht nur wenige Zentimeter im Durchmesser haben. Aber dann entwickelt er traubenartige Gebilde unten am Stamm, die  man nur entdeckt, wenn man sich intensiv danach auf die Suche begibt, denn sie verstecken sich gut:

Der eigentliche gelbe Schleimpilz, der die Borke oder das Totholz von Laub- und Nadelbäumen besiedelt, zeigt deutliche Verästelungen.

Mein letzter Kontrollgang vor Sturm „Sabine“ hatte keine äußere Veränderung gezeigt. Es wird wohl ein Projekt für dieses Jahr sein, unterschiedliche Stadien dieses Pilze noch besser beobachten und dokumentieren zu können. Aktuell und wohl auch noch in den kommenden Tagen ist es aus Sicherheitsgründen nicht angeraten, in den Wald zu gehen. Heute ist es bereits der 4. Tag in Folge, der Sturm, Regen, Hagel und Graupel mit sich bringt und wenn man die Wassermengen bedenkt, die da wirken, möchte ich nicht wissen, was die Bäume diese Tage durchmachen.

Die  blau bis blaugrauen Kapseln sind kugelig bis oval. Eine schöne und wirklich interessante Entdeckung dieses Winters. Lieben Dank an Almuth, die mit ihrem Beitrag über diesen besonderen Pilz und ihren Hinweis auf die Pilzfotografin Allison Pollack meinen Jagdtrieb wieder einmal entfacht hat und mich raus in den Wald schickte.

Hexeneier

Hexeneier-Fund am Kupfermühlenteich! Es handelt sich um Jugendliche der gemeinen Stinkmorchel.

Wieder eine Premiere für mich. Ja, so sehen die Stinkmorcheln tatsächlich in ihrem Jugendstadium aus. Diese kleinen weißen Kugeln, sie waren ca. 1,5-2,5 cm groß,  entdeckte ich dort unten auf dem Waldboden nur, da ich mir den danebenliegenden Stamm Totholz genauer angesehen habe. So ist das manchmal mit den Zufallsfunden. Der Fund passt zeitlich recht gut, denn die gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus) wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2020 gekürt.

Im Holunderhain

Eine interessante Formation unter einem Holunderstamm.  Ich vermute es ist eine alte Ansammlung von Judasohren, die irgendwie zusammen gewachsen sind. Habe ich so bisher noch nicht gesehen. Es ist jedes Jahr wieder eine Freude, die Judasohren (Auricularia auricula-judae) im Holunderhain zu besuchen. Immer wieder gibt es neue Formen und Zusammenstellungen.

Mehr zu den Judasohren und zu deren Namensgebung gibt es hier in meinem ersten Beitrag zu den Judasohren im Januar des letzten Jahres.