Kleine Schönheiten

Auf der Mauer auf der Lauer … Ich denke, dass wenige Menschen wissen, wie schön einige dieser Wanzen tatsächlich sind. Sie haben mich seit dem Frühjahr in ihren Bann gezogen und so mache ich mich ab und an auf die Suche nach diesen unterschätzten Geschöpfen. Es bedarf einiger Geduld, um sie überhaupt ausfindig zu machen, auch da viele dieser Wanzen nur wenige Millimeter groß sind.

Über die rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) war ich schon in Larvenform gestolpert, ahnte das aber lange Zeit nicht. Auf der Suche nach Marienkäferlarven war ich im Frühjahr über ein sehr kleines, obskures Tierchen gestolpert und es bedurfte auch hier Geduld und eines glücklichen Zufalls, um herauszufinden, dass es eine Wanzenlarve ist.  Ein verrücktes kleines Teil.

Blutzikade im Abendlicht

Blutzikaden habe ich bisher fast immer abends entdeckt. Ein Blick links oder rechts des Weges und mein Auge bleibt an einem roten Punkt im Gras hängen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich dann manchmal eine Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata).

Der Name Blutzikade rührt übrigens nur von ihrer Farbe her, die Feinden vortäuschen soll, sie sei giftig, hat aber keinen blutrünstigen Hintergrund. Blutzikaden können weit springen. Weit interessanter finde ich aber, dass sie bei Gefahr stinkende Flüssigkeit aus ihren Fußspitzen absondern können. Einen informativen Beitrag über dieses Insekt des Jahres 2009 gibt es mal wieder beim NABU.

Sehr interessant fand ich auch, dass sich die Schaumnester ihrer Larven unter der Erde befinden. Funde von Schaumnestern, die ich in der Nähe der Fundorte der adulten Tiere machte, können also nicht deren Larven enthalten haben. Die entsprechenden Fotos müssen deshalb an anderer Stelle neue Verwendung finden.

Schöner Totengräber

Bei dem Schwarzfühlerigen, bzw. Schwarzhörnigen Totengräber (Nicrophorus vespilloides) handelt es sich um einen sehr schönen Aaskäfer. Mein erstes Exemplar turnte vor mir im hohen Gras. Ein Motiv an dem ich natürlich nicht vorbeigehen konnte.

Wie man auf zwei Bildern sehen kann, war dieser Totengräber von Parasiten, und zwar Schmarotzermilben (Poecilochirus carabi) befallen. Sie nutzen Totengräber als Reiseuntersatz, um dorthin zu gelangen, wo sie entsprechend ihres Entwicklungsstadiums gerade hin müssen. Mitunter parasitieren die Schmarotzermilben die Käfer, auf denen sie reisen, indem sie an weichen Stellen den Panzer durchbrechen und sich von den Körperflüssigkeiten ernähren. Auf arthropods.de findet man diese und noch weiter spannende Informationen dazu, auf sehr unterhaltsame Weise erzählt.

Ein weiterer Totengräber begegnete mir in den vergangenen Tagen. Er hat übrigens ein interessantes Verhalten, um Weibchen anzulocken.

Wenn er Aas findet, begibt er sich in eine erhöhte Position, streckt sein Hinterleib nach oben und wedelt damit. Der Lockstoff, den er dabei freisetzt, ruft die Weibchen zu seinem Fund. Gemeinsam vergraben sie das Aas und legen ihre Eier in einen Gang in der Nähe ab. So liegt der Vorrat für den Nachwuchs schon parat.

Endlich, Libellen

Libellen mit ihrem flinken, eleganten Flug sind wunderschön zu beobachten, aber es ist schwer, sie aufs Bild zu bekommen. Ich verbinde mit ihnen eine lebhafte Erinnerung an eine stillgelegte (?) Bahnlinie irgendwo in Estland, wo wir von prachtvollen, großen Libellen angeflogen wurden. Aber das ist lange her. Es gibt hier an einer Stelle am Rande des Dorfes eine Stelle, an denen ich Libellen recht sicher begegnen kann. So sind im Rahmen der Spaziergänge doch einige Fotos geglückt.

Die strahlend Blauen sind mit Sicherheit Azurjungfern (Coenagrion), die auf dem zweiten Bild eventuell eine Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella). Azurjungfern sind mit ihrem strahlend blauen Körper auch auf dem Waldboden gut sichtbar. Die bisherige Recherche führt mich bei der Hellen in Richtung einer Winterlibelle. Zu einer genaueren Bestimmung fehlt aktuell Muße und Zeit. Ihre Schönheit und die Freude, sie staunend zu beobachten existieren zum Glück unabhängig jeglicher Bestimmung.

Ach, dieser Blick

Käfer sind schon ganz schön neugierig. In diesem Jahr sitzt mir immer öfter unvermittelt ein Käfer direkt gegenüber und schaut mir in die Augen. Das ist ganz schön irre. Die Blicke des Dunklen Fliegenkäfers (Cantharis obscura) mag ich ganz besonders, denn wie man an diesen beiden Exemplaren sehen kann, haben sie einen wirklich niedlichen Hundeblick.

Natürlich klettern und turnen sie wie alle Käfer sehr gern, davon aber ein andern mal mehr. Diesmal geht es noch ein bisschen zur Sache mit ganz viel Bein(en) …