Nachmittags auf dem Balkon

Ab heute frühen Nachmittag fiel mir auf, dass immer mehr Flugobjekte am Insektennetz vor der Balkontür saßen, bzw. krabbelten. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass sehr viele Marienkäfer auf dem Balkon unterwegs waren. Wirklich viele! Auch die ein oder andere Wanze hat sich dazwischengemischt, aber die sehe ich irgendwo am Haus eigentlich immer in letzter Zeit. Zur Erinnerung an diese Marienkäferhäufung hier ein paar Einzelportraits von heute:

Das besondere Paarungsgeschenk

Zu den vielen Insekten, die ich mir in diesem Jahr genauer angesehen habe, gehören auch die Tanzfliegen (Empididae). Tanzfliegen können recht unterschiedlich aussehen, zumindest wenn man ein Makro dabei hat. Ein Unterscheidungskriterium sind die rötlichen oder schwarzen Augen.

Es kommt wie es kommen muss, auch die Tanzfliegen haben mal wieder ein interessantes Paarungsverhalten. Die folgende Szene bot sich mir im Sommer als ich am Wegesrand im Gras hockte und Schnaken fotografierte. Im linken Augenwinkel nahm ich etwas wahr und sah dort an einem Blatt hängend zwei Tanzfliegen, die sich paarten. Dass es sich um Tanzfliegen handelte und es solche überhaupt gibt, fand ich natürlich erst später heraus.

Die Männchen bringen zur Paarung eine tote Fliege mit, welche das Weibchen während der Paarung aussaugt (Tja!). Durch das zweite, etwas unscharfe Bild ist das Hin- und Herschieben besser zu erkennen. So spannend ist Natur direkt vor der Haustür im ganz Kleinen.

Ihren Namen verdanken die Tanzfliegen einem Teil ihres Fortpflanzungsrituals. Je nach Art können es beide Geschlechter sein, die „tanzen“ oder nur die Weibchen. Auf jeden Fall finden sie sich nach Geschlechtern getrennt zusammen und fliegen in diesen Gruppen zickzack- und kurvenartig umher. An dem Thema bleibe ich weiter dran. Für den Moment muss dieser interessante Ausblick reichen.

kleiner stinker

Erwischt! Diesen Schwarzen Moderkäfer (Ocypus olens) hat unsere Hündin offenbar in Gefahrmodus versetzt. Dann hebt er nämlich drohend sein Hinterteil und spritzt seinem Feind über seine Wehrdrüsen am Hinterende eine weiße, übelriechende Flüssigkeit entgegen. Da war ich zuhause am Rechner ganz schön überrascht, als ich auf den Bildern dieses weiße Sekret an seinem Hinterleib sehen konnte. Gerochen habe ich übrigens nichts. Mal wieder ein wirklich schöner Zufallstreffer. 

Auf dem dritten Bild flieht er dann von der asphaltierten Straße in den beginnenden Wald und macht sich wieder lang.

Waldbegegnungen

Wanzenalarm beim morgendlichen Waldspaziergang. Ich verrenkte mich gerade, um eine einzelne Wanze aufzunehmen, da schaute ich nach links und sah diese Wanzenversammlung vieler Lederwanzen (Coreus marginatus) und zweier Grüner Stinkwanzen (Palomena prasina) auf einem Blatt links von mir. Ich glaube, die haben sich vor mir erstmal genauso erschrocken, wie ich mich vor ihnen. Man sieht ja erstmal nur eine krabbelnde Bewegung, bevor der Blick sich scharfstellt und erkennt, es sind „nur“ Wanzen.

Die zwei Stinkwanzen erinnerten mich an die Larven der Grünen Stinkwanze, die ich vor ein paar Wochen im nahen Waldzugang aufgefunden hatte. Hier ein paar Bilder von ihnen. Ich finde sie sehr knuffig in ihrem hellgrünen und grün-schwarzem Kleid. Der Farbwechsel zeigt ein unterschiedliches Entwicklungsstadium an, wobei die grün-schwarze Larve das frühere Larvenstadium sein soll.

kleine portraits

Die Begegnungen mit den ganz Kleinen und die Chance/das Glück sie auch immer öfter in Bildern festhalten zu können, eröffnet eine ganz neue, besondere Welt. Diese Erlebnisse schärfen meine Wahrnehmung und meine Achtsamkeit ihnen gegenüber.

Skorpionsfliegen kenne ich mittlerweile, aber dass es Tanzfliegen (!) gibt, war mir bisher nicht bekannt. Und sie sind sehr interessant anzuschauen, nicht nur, wenn sie gerade abheben. Ihr Name hat mit ihrem Verhalten im Rahmen der Fortpflanzung zu tun, dazu später einmal mehr. Dies ist eine erste Auswahl dieser gelungenen Momente, wo sich klein und groß ganz in Ruhe begegnen durften.