Von Kugeln und Bechern

Beim nächsten bisschen Sonnenschein hatte ich mir vorgenommen in das kleine Waldstück zu gehen, wo vor einiger Zeit Holzraubbau begangen wurde um zu schauen, welche meiner Totholz-Schätzchen erhalten geblieben sind. Mein Lieblings-Polter, nicht allzu weit von der Straße entfernt, ist zum Glück erhalten geblieben.

Junge, weiße Fruchtkörper des Wollkugelschleimpilzes (Comatricha nigra), rote Trichia-Kugeln, feine kleine violette Becherchen (Fleischroter Gallertbecher/Ascocoryne sarcoides), eine etwas größere Ansammlung von Wollkugeln und ein älterer Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum). Es gibt zur Zeit viele von ihnen, sie sind allerdings in dieser Farbgebung nahezu unsichtbar am Totholz.

Die kleine Fruchtkörperansammlung auf Bild 1 misst insgesamt ca. 2 cm in der Breite, zu ihnen gibt es auf Bild 6 eine Fundstellen-Übersicht. Dort findet man sie ganz oben an der Schnittkante. Auch die größere Ansammlung von Wollkugelschleimpilz-Fruchtkörpern sieht man nochmal in einer etwas größeren Gesamtansicht. Aus einem kleinen, ca. 4 cm großem Blatt wuchsen in einer Vertiefung des Totholzes ein paar winzige kleine Pilze. Nach diesen Funden ging ich beschwingt wieder nach Hause.

Zarte Keule

Erste vorsichtige Gehversuche im Wald (ich wurde direkt auf den sehr kleinen Waldparkplatz kutschiert und konnte ein paar Schritte gehen/humpeln – schön war das) wurden direkt mit einer neuen Keulenart belohnt. Ich vermute eine Röhrige Keule (Macrotyphula fistulosa). Sehr zart, aber im Unterschied zur Binsenkeule kräftiger und nach oben verdickend.

Rörige Keule - Macrotyphula fistulosa

Schwarze Keulen

Kontrastreich zu gestern gibt es heute eine kleine Auswahl schwarzer Keulen. Auch von dieser Vielgestaltigen Holzkeule (Xylaria polymorpha) sind in diesem Jahr Unmengen auf den am Boden liegenden Tothölzern zu entdecken. Allerdings musste ich erst die Ersten von ihnen ausmachen, bevor ich all die anderen drum rum und auch an den anderen Ästen zu erkennen begann.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass diese Keulen in England auch „dead men’s fingers“ genannt werden. Ein sehr variantenreicher Pilz, der leider für intensive Einzelaufnahmen hier bei mir oft zu dunkel und schlecht zugänglich wächst.

Lichtes am Waldboden

Mein Fokus liegt in diesem Jahr scheinbar auf hellen Pilzen. Einige von Ihnen sieht man natürlich besser im Wald, aber das ist es nicht. Denn auch sie verstecken sich überraschend gut auf und im Laubteppich. Ich greife bei ihrer Sichtung einfach lieber zur Kamera, sie sprechen mich ästhetisch mehr an und das trifft nicht nur auf besondere Exemplare der Geweihförmigen Holzkeule (Xylaria hypoxylon) zu.

Nur eine Nuance dunkler wird es auf den folgenden Bildern von Korallen (Ramaria), Binsenkeule (Macrotyphula filiformis) und Herbstlorchel (Helvella crispa).

Im Wald am Mühlenteich weiß ich dieses Jahr abseits des Wegs kaum, wohin ich den Fuß setzen soll, ohne Schaden anzurichten. Binsenkeule und Korallen wachsen in einer schier unglaublichen Anzahl und Ausbreitung, was nicht nur besonders, sondern auch besonders faszinierend ist. Ich bin gespannt, ob das so bleibt und wie es in ein paar Wochen aussieht, wenn ich dort wieder nach der Lage schauen kann.

Sterne im Laub

Seitdem ich in einem Pilzbuch Pilze der Gattung Erdsterne (Geastrum) gesehen habe, wollte ich unbedingt mal einen in echt sehen. Letzte Woche war es soweit! Auf dem Rückweg von einer unserer klassischen Gassirunden, dort wo auch immer wieder Korallen und die schönen, formgewaltigen Herbstlorcheln wachsen, direkt am Bürgersteig in der Sackgasse, gehe ich an einem vorbei. Und ich ging wirklich dran vorbei. Doch dann fing etwas an, in mir zu nagen und ich ging die paar Meter wieder zurück. Weil es für mich so ein besonderer Moment war, gibt es einen kleinen Einzelbeitrag zu diesem Fund.

Ich könnte mir vorstellen, dass es sich um einen Halskrausenerdstern (Geastrum michelianum) handelt. Erdsterne gehören zur Familie der Erdsternverwandten. Ihr Gattungsname Geastrum setzt sich zusammen aus ge (Erd) und aster/astron (Stern). Wieder einmal ein sehr besonderer und wohl auch nicht ganz so häufige Pilz.

Nachdem der Erdstern durch den Boden gebrochen ist, platzt seine Hülle sternförmig auf und die Lappen biegen sich nach außen. Die dann zu Tage tretende Kugel enthält die Sporen, welche durch Regentropfen oder anderweitigen Druck auf ihre Umhüllung kleine Wolken mit feinsten Sporen verteilt. Zu sehen auf einem Video vom Biotopia, Naturkundemuseum Bayern. Ich musste sofort an Bovisten denken.