Alte und neue Wegbegleiter

Vor ein paar Wochen entdeckte ich einen Totholzstamm auf dem schöne Trompetenflechte (Cladonia fimbriata) lebt. Ein Zufallstreffer, denn vom Weg aus kann man das natürlich nicht erkennen. Es war doppeltes Glück, denn meine schönen alten Zaunpfähle, welche mir mit ihrer Trompetenflechte treue Begleiter auf meinem täglichen Weg waren, gibt es nicht mehr. Ein kleiner Rückblick:

Dort ist jetzt nichts mehr. Aber die alten Zaunpfähle wurden nicht ohne guten Grund entfernt, denn sie waren rott und direkt dahinter sind Elektrozäune des neu belebten Ponyhofs, der auf Spaziergängen für schöne Begegnungen mit kleinen Reitern auf Ponys sorgt. Das erfreut Hündin und mich.

Also ist es gut zu wissen, wo ich neue Trompetenflechte finde. Diese liegt zwar nicht mehr auf dem täglichen Weg, aber alle paar Wochen komme ich da vorbei. Es ist ein schöner, langer, komplett mit Moos bedeckter Stamm, der mit Sicherheit noch weitere Fotomotive für mich bereit hält.

Ehrenbreitstein, meine Schöne!

Meine zweite Zimmerreise führt mich zurück in die Jahre 2007/2008. Damals führte mich der schönste Arbeitsweg meines Lebens von Koblenz-Horchheim nach Rengsdorf. Morgens fuhr ich auf der rechten Rheinseite mit Blick nach links auf die erwachende Koblenzer Innen- und Altstadt los, dann an der kleinen Insel Niederwerth (ein schöner Ort für regelmäßige Spaziergänge) vorbei und bei Neuwied das Schiefergebirge hoch in den kleinen Ort Rengsdorf. Kurz nach dem Blick auf die Koblenzer Innenstadt zeigte sich allmorgendlich das wunderschöne Panorama der Festung Ehrenbreitstein:

Dieses kleine Bild der Festungs-Ansicht hängt bei uns seit ein paar Jahren zur Erinnerung gut sichtbar an der Wohnzimmerwand. Die Ehrenbreitstein hat mich von Anbeginn in ihren Bann gezogen. Egal ob sie von der Sonne beschienen wurde oder drohende Wolken über ihr standen, ihr Anblick war mir immer eine Freude. Unendlich viele Spaziergänge habe ich dort oben gemacht, natürlich mit jedem Besuch, gern auch alleine oder zu zweit. Einen Hund gab es damals noch nicht, aber sie dürfte mit rein.

Die Feste Ehrenbreitstein überragt die Mündung der Mosel in den Rhein, genau dort wo auf der anderen Rheinseite das Deutsche Eck ist. Es handelt sich bei ihr um eine preußische Festung, gebaut in den Jahren 1817-28, ausgelegt für eine Kriegsbesatzung von 1.500 Mann. Im Festungsführer las ich gerade, dass Funde eine Besiedelung des Felsens bis 4000 Jahre vor Christus belegen. Wahnsinn! Die Bilder zeigen typische Ansichten innerhalb der Festung, ein paar Architekturdetails sowie ein Beispiel meiner damals erwachten Leidenschaft für Farben und Rost.

Auch der Blick von der Festung war natürlich immer wieder lohnend. Schaute man doch von immerhin 118 Metern vom Schlosshof runter auf das Deutsche Eck und konnte die Rheinschifffahrt beobachten. Heute wäre auf diesem Bild noch eine Seilbahn zu sehen, welche im Rahmen der Erweiterungen zur Buga 2011 erstellt wurde und von den Anlagen der Festung runter zu den Rheinanlagen führt.

Ach, meine Gedanken gehen auf Reisen. Der Rhein, die Mosel, die Lahn, Stolzenfels, Burg Lahneck, die Marksburg, die Eifel, Schiefergebirge und Fossilien. So viele lebhafte Erinnerungen an diese zwei wunderschönen Jahre. Allein die Tatsache, dass man an Rhein oder Mosel mit dem Auto alle paar Minuten eine neue Burg erblicken konnte. Wie oft bin ich nach der Arbeit einfach weitergefahren und habe fantastische Eindrücke von Burgen und rheinischem Schiefergebirge beim Sonnenuntergang eingesogen. Und joggen unten am Rhein Richtung Lahnstein mit Blick auf Stolzenfels und Burg Lahneck. Es ist ein Privileg, diese besonders schöne Gegend erlebt haben zu dürfen.

Ich schließe die Zimmerreise mit ein paar Bildern meines Arbeitswegs vom Radwanderweg aus fotografiert, einem letzten Panoramabild von der Festung Ehrenbreitstein, denn man kann nie genug bekommen und einem Dank an Puzzle für die zweite Runde Zimmerreisen, an deren letztem Tag ich es gerade noch so geschafft habe.

Im Stubben

Mal eine ganz andere, neue Perspektive. Wie oft finde ich mich kniend oder halbliegend neben einem Stubben wieder, da vor ihm oder an ihm etwas Pilziges oder Moosiges ist. Aber auch der Blick in einen solchen Stubben kann überraschend ein haiku hervorbringen.

Morgens auf dem Balkon

So viel wie heute war morgens noch nie los auf dem Balkon. Ein wenig Betrieb ist immer so bis um 9:00. Immer kommt die freche und platzverteidigende Amsel, das schüchterne Rotkehlchen und ein paar flatterhafte Blaumeisen. Aber heute waren sie alle immerzu zugegen und lösten sich beim Picken ab. 3 Blaumeisen gleichzeitig waren an den Knödeln, aber irgendwann musste ich ja auch mal meinen Kaffee trinken während der Kater auf dem Schoß liegt.