Ehrenbreitstein, meine Schöne!

Meine zweite Zimmerreise führt mich zurück in die Jahre 2007/2008. Damals führte mich der schönste Arbeitsweg meines Lebens von Koblenz-Horchheim nach Rengsdorf. Morgens fuhr ich auf der rechten Rheinseite mit Blick nach links auf die erwachende Koblenzer Innen- und Altstadt los, dann an der kleinen Insel Niederwerth (ein schöner Ort für regelmäßige Spaziergänge) vorbei und bei Neuwied das Schiefergebirge hoch in den kleinen Ort Rengsdorf. Kurz nach dem Blick auf die Koblenzer Innenstadt zeigte sich allmorgendlich das wunderschöne Panorama der Festung Ehrenbreitstein:

Dieses kleine Bild der Festungs-Ansicht hängt bei uns seit ein paar Jahren zur Erinnerung gut sichtbar an der Wohnzimmerwand. Die Ehrenbreitstein hat mich von Anbeginn in ihren Bann gezogen. Egal ob sie von der Sonne beschienen wurde oder drohende Wolken über ihr standen, ihr Anblick war mir immer eine Freude. Unendlich viele Spaziergänge habe ich dort oben gemacht, natürlich mit jedem Besuch, gern auch alleine oder zu zweit. Einen Hund gab es damals noch nicht, aber sie dürfte mit rein.

Die Feste Ehrenbreitstein überragt die Mündung der Mosel in den Rhein, genau dort wo auf der anderen Rheinseite das Deutsche Eck ist. Es handelt sich bei ihr um eine preußische Festung, gebaut in den Jahren 1817-28, ausgelegt für eine Kriegsbesatzung von 1.500 Mann. Im Festungsführer las ich gerade, dass Funde eine Besiedelung des Felsens bis 4000 Jahre vor Christus belegen. Wahnsinn! Die Bilder zeigen typische Ansichten innerhalb der Festung, ein paar Architekturdetails sowie ein Beispiel meiner damals erwachten Leidenschaft für Farben und Rost.

Auch der Blick von der Festung war natürlich immer wieder lohnend. Schaute man doch von immerhin 118 Metern vom Schlosshof runter auf das Deutsche Eck und konnte die Rheinschifffahrt beobachten. Heute wäre auf diesem Bild noch eine Seilbahn zu sehen, welche im Rahmen der Erweiterungen zur Buga 2011 erstellt wurde und von den Anlagen der Festung runter zu den Rheinanlagen führt.

Ach, meine Gedanken gehen auf Reisen. Der Rhein, die Mosel, die Lahn, Stolzenfels, Burg Lahneck, die Marksburg, die Eifel, Schiefergebirge und Fossilien. So viele lebhafte Erinnerungen an diese zwei wunderschönen Jahre. Allein die Tatsache, dass man an Rhein oder Mosel mit dem Auto alle paar Minuten eine neue Burg erblicken konnte. Wie oft bin ich nach der Arbeit einfach weitergefahren und habe fantastische Eindrücke von Burgen und rheinischem Schiefergebirge beim Sonnenuntergang eingesogen. Und joggen unten am Rhein Richtung Lahnstein mit Blick auf Stolzenfels und Burg Lahneck. Es ist ein Privileg, diese besonders schöne Gegend erlebt haben zu dürfen.

Ich schließe die Zimmerreise mit ein paar Bildern meines Arbeitswegs vom Radwanderweg aus fotografiert, einem letzten Panoramabild von der Festung Ehrenbreitstein, denn man kann nie genug bekommen und einem Dank an Puzzle für die zweite Runde Zimmerreisen, an deren letztem Tag ich es gerade noch so geschafft habe.

12 Gedanken zu “Ehrenbreitstein, meine Schöne!

  1. Grandios, kann man zu diesem imposanten Komplex nur sagen und die Zimmerreisen-Kurve über das Wohnzimmerbild hast du elegant genommen. Mir gefällt auch, dass die rote Ecke der mutmasslichen Lampe sich in der Galerie noch einmal korrespondierend beim „Rostigen Farbdialog“ wiederfindet.
    Den Ehrenbreitstein habe ich zuletzt in der Kindheit besucht, davon ist nicht mehr viel hängengeblieben und ich war sehr bereit für diese Auffrischung 🙂

    Gefällt 4 Personen

    • Schön von dir gesehen, rote Vase – Rost. Das Lesen und Wahrnehmen von anderen macht ja auch diesen sozialen Austausch so bereichernd. Zu den Vasen kommen wir eventuell bei „S“, mal schauen 🙂 Ich war vor 3 Jahren einmal kurz bei der Festung, alles ganz anders und ordentlich saniert. Schön gemacht, aber mein Herz hängt ein wenig mehr am Zustand während meiner Koblenzer Jahre.

      Gefällt 3 Personen

    • Wie schön, jetzt verbinde ich deine Zeilen auch immer noch mit dieser schönen Gegend. Da beneide ich dich ein wenig … Ich war zuletzt vor 3 Jahren in der Nähe von Wiesbaden und konnte einen kleinen Abstecher in die alte Heimat machen. Ich denke, wir brauchen dringend eine Auffrischung. Wozu doch Zimmerreisen gut sind 🙂

      Gefällt 2 Personen

  2. Wow, eine beeindruckende Festung. Man staunt doch immer wieder, wie massiv die angelegt wurden. Da hattest du beneidenswerte Aus-Blicke. Ich kann mir gut vorstellen, daß das mit wehmütigen Erinnerungen belegt ist. Auch bei mir weckt es ein paar Erinnerungen, als ich eine Zeit in Süddeutschland lebte. Damals brauchte man für die Nord-Südverbindung mit der Bahn noch 8,5 Stunden und ein paar Mal habe ich die Rheinstrecke genutzt, einmal auch mit dem Nachtzug. Ja, auf jedem Hügel eine Burg, daß ist schon faszinierend.
    Das Rostbild finde ich ganz hervorragend und der Titel Rostiger Farbdialog ist klasse 🙂 Nicht nur Rost, sondern auch noch eine gelungene Farbkomposition. Die Balance zwischen Sanierung und dem Charme verwunschener Ecken klappt leider zu selten. Wie gut, daß du noch diese Fotos von vorher hast!
    Die Vase linst da so lustig ins Bild, daß sie einen neugierig macht. Da bin ich jetzt schon auf das S gespannt. Eine schöne Zimmerreise war das!

    Gefällt 1 Person

    • Man kann ja auch nicht jede Sanierung aufhalten und es gab bei meinem letzten Besuch auch schöne neuen Ecken zu entdecken und neue Wege und Treppen aus Stahl und Glas. Das mag ich ja auch sehr, wenn man solch alter Gemäuer auf so neuen Wegen entdecken kann. Ja, das war früher eine gemütliche Angelegenheit mit dem Zug durch Deutschland zu fahren. Da gab es die gewollte oder ungewollte Entschleunigung, anders als Nachts die Strecke mit dem Auto fahren zu müssen.
      Rost war ja mein Thema vor der Naturfotografie, vielleicht kann ich ab und an hier etwas einfließen lassen und einen Dialog zwischen Natur und Rost herstellen 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Ich mag das auch gerne und denke, Rost und Natur ergänzen sich bestens. Ist Rost nicht sogar Natur? – Naja, diese megalangen Strecken waren auch ermüdend, wenn man sie tagsüber fuhr. Ich erinnere mich, daß mich zuletzt immer wach halten mußte, weil noch einmal umsteigen angesagt war 😉

        Ja, wenn es gut gemacht ist, kann so ein altes Gemäuer mit Stahl und Glas auch gut aussehen 🙂

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s