Insektenwoche: Zweimal Rot!

Diese beiden Käfer vereint nicht nur die Farbe Rot. Beide haben mich bei ihrer Bestimmung zunächst auf Irrwege geführt. Diesen kleinen turnenden Gesell hielt ich zunächst für ein Lilienhähnchen. Was ein toller Name! Der Name Hähnchen rührt daher, dass die Käfer einen Zirplaut von sich geben (können). Das lernte ich bereits beim Rothalsigen Getreidehähnchen (!) zu Beginn des Jahres.

Tatsächlich handelt es sich um den Haselblattroller (Apoderus coryli). Vom Lilienhähnchen unterscheiden ihn u.a. seine wunderschön leuchtenden roten Schenkel. Zu seinem Namen kommt der Haselblattroller, weil die Weibchen die Blätter zylinderförmig zusammenrollen, um dort 1-2 Eier reinzulegen. Die Larven fressen dann die innenliegenden Blattabschnitte. Die Käfer werden 6-8 mm groß.

Jetzt kommt noch ein toller Name: Scharlachroter Stäublingskäfer (Endomychus coccineus)! Diesen hielt ich vor Ort und auf dem Kameradisplay zunächst für einen Marienkäfer, denn auf die hatte ich an dem Tag ein Auge geworfen. Ich war einigermaßen überrascht, als ich zuhause mit der Recherche begann und es sich um eine andere Käferart handelt. Allerdings sind die Stäublingskäfer mit den Marienkäfern verwandt. Also nicht ganz so falsch gedacht. Da sie nur 4-6 mm groß sind kann man sie dort im Baum auf einem Blatt sitzend auch schonmal verwechseln.

Erst recht, wenn man so wie ich noch Anfänger ist. Bei der aktuell laufenden Neubenamung und Sortierung eines Teilbereichs meines Fotoarchivs (Ächz) fiel mir auf, dass ich bis zu diesem Jahr fast keine Käfer aufgenommen hatte. Zum Glück ändert sich das gerade und ich bin sehr gespannt, was dieses Jahr so an Überraschungen aus der Insektenwelt für mich bringen wird.

Insektenwoche: Schaumnester

Irgendwo in diesem Schaum befindet sich aller Wahrscheinlichkeit nach die Larve einer Schaumzikade (Cercopidae). Auf jeden Fall sind diese kunstvollen Schaumnester ein schöner Hingucker, wenn man so im Baum steht.

Die Larven blasen eine aus ihrem After austretende Flüssigkeit mit Luft auf und erzeugen so diesen Schaum, der die Larve vor Feinden, Austrocknung und extremen Temperaturschwankungen schützt. Dieser Schaum wird auch Kuckucksspucke genannt. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Geschichten, mitunter basierend auf dem Vergleich des Kuckucks mit dem Teufel. Schöner, und passender scheint da die Geschichte, die darauf abstellt, dass die Schaumnester zeitlich mit den ersten Kuckucksrufen im Frühling erscheinen.

Insektenwoche: Gestreiftes

Die Streifenwanze (Graphosoma lineatum) war schon länger auf meinem Wunschzettel von Insekten, die ich in natura entdecken wollte.

Dann endlich sah ich bei meiner Suche etwas Rotes aufblitzen und war beglückt, als sich bei näherem Hinsehen das Rote zu einem rot-schwarz Gestreiftem entwickelte. Meine erste Streifenwanze! Entsprechend ihrer Vorliebe entdeckte ich diese Exemplare an einer sonnenbeschienen Stelle auf einigen Doldengewächsen, welches die Lieblingspflanzen dieser Pfanzensaftsauger sind. Mit ihrer Größe von ca. 1 cm sind Streifenwanzen auch mit bloßem Auge ganz gut zu erkennen. Sie haben einen sehr prächtigen Rücken, aber auch ihr Bauch kann entzücken.

Ihre rot-schwarz gestreifte Zeichnung dient der Abschreckung von Feinden. Ihr Vorkommnis hier bei uns im hohen Norden Deutschlands verdanken wir offenbar der Erwärmung durch den Klimawandel.

Insektenwoche: Fliegende Skorpione

Bisher wusste ich nicht, dass wir fliegende Skorpione in unseren Wäldern haben. Die Rede ist von Skorpionsfliegen (Panorpidae).  Wunderhübsche Insekten, deren Hinterleib beim Männchen am Ende eine Verdickung aufweist, die dem Stachel eines Skorpions ähnelt.

Bei meiner Insektenexpedition in den nordöstlich gelegenen Wald am Dorfrand stieß ich gleich zu Beginn auf diese zarten Schönheiten, die dort zahlreich umherfliegen und auf Blättern sitzen. Es sind Fliegen, deren Schönheit man direkt ohne Kamera oder gar Makro erkennen kann, denn ihre schönen Flügel fallen direkt ins Auge. Bei diesen Exemplaren handelt es sich wahrscheinlich um die Deutsche Skorpionsfliege (Panorpa germanica).

In der Vergrößerung erkennt man neben dem Hinterleib eine weitere Besonderheit dieser Skorpionsfliegen und versteht, warum sie zu den Schnabelfliegen gehören. Der auf einem der folgenden Bilder zu sehende, schnabelartig verlängerte Kopf gab der Ordnung auch den deutschen Namen Schnabelhafte. Dieses Wort suggerierte mir gleich „die Fabelhafte“ und in der Vergrößerung sind diese Tier doch wirklich fabelhaft und das im doppelten Sinne (also prachtvoll und märchenhaft). Wieder einmal versetzt mich ein Insekt direkt in eine Fantasy, bzw. Science-Fiction Welt.

Die Skorpionsfliege lebt in Wäldern und Hecken, aber auch schonmal in Gärten. Da habe ich sie bisher nicht gesehen, aber wie das immer so ist, wenn man erstmal etwas entdeckt hat, dann sieht man es ja demnächst vermehrt und an vielerlei Orten.

Die Schnabelhaften weisen eine Länge von bis zu 20 mm auf und ihre Spannweite reicht bis über 30 mm. Das skorpionsartige Hinterteil des Männchen dient übrigens der Paarungshilfe, indem es zum Anlocken von Weibchen vibrieren und während des Paarungsaktes das Weibchen greifen kann. Das Männchen kann zusätzlich durch Winken mit den Flügeln (!) auf sich aufmerksam machen und bietet dem Weibchen ein Sekret zum Fressen an. Nicht ohne Grund also war eine Skorpionsfliege, und zwar die Gemeine Skorpionsfliege, Insekt des Jahres 2018. Vertiefende Informationen zu den Skorpionsfliegen und ihrem „komplizierten“ Liebesakt gibt es beim NABU. Es lohnt sich, mehr über dieses Insekt zu erfahren.